Warum die Boston University die beste Wahl für meinen und vielleicht auch Deinen LL.M. ist!
Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der Boston University School of Law (2024)
Nach der anstrengenden Examensvorbereitung und dem Abschluss des Ersten Staatsexamens habe ich schnell gemerkt, dass ich unbedingt Abstand von den Strapazen der letzten Jahre gewinnen wollte. Damit war der perfekte Zeitpunkt gekommen, um meinen langjährigen Traum von einem LL.M.-Studium in den USA umzusetzen.
Inhalt
Bewerbung und Finanzierung
Die Bewerbung um ein LL.M.-Studium in den USA erfolgt für nahezu alle amerikanischen Universitäten über die zentrale Plattform Law School Admission Council (LSAC). Das gilt auch für die Boston University (BU). Die benötigten Unterlagen können je nach Universität variieren, hier hilft eine schnelle Recherche auf der jeweiligen Website der Wunschuniversität bei LSAC. Mit der Planung und Sammlung der erforderlichen Unterlagen kann man nicht zu früh beginnen. Ich empfehle, mindestens 6 Monate vor Ende der Bewerbungsfrist zu starten. Für weitere Details verweise ich auf die unzähligen anderen Erfahrungsberichte auf dieser Website sowie die Erfahrungsberichte anderer Alumni der BU.
Was die Finanzierung angeht, lässt sich mit ein paar Tricks schon im Vorfeld viel Geld sparen: Leider kostet die Bewerbung über LSAC für jede Universität eine gesonderte Bewerbungsgebühr, für die BU derzeit $ 85. Um das zu sparen, solltet ihr gezielt nach einem „Application Fee Waiver“ fragen. Diese werden oft bei Zoom-Infoveranstaltungen oder dem e-fellows.net LL.M. Day verteilt.
Sollte man am Ende der Bewerbung eine Zusage von einer oder mehrerer Universitäten mit einem Teilstudiengebührenerlass angeboten bekommen, sollte unbedingt nachverhandelt werden. Meistens ist es möglich, Angebote von anderen Universitäten als Verhandlungsmasse einzusetzen. Ich konnte dadurch den Gebührenerlass um weitere $ 10.000 nach oben treiben, sodass die BU mir mehr als die Hälfte der Studiengebühren erlassen hat.
Vor Beginn des LL.M.-Programms habe ich zudem noch ein paar Monate in einer Großkanzlei gearbeitet und versucht, soviel des Gehalts wie möglich beiseitezulegen. Vor Ort konnte ich zudem als Kursassistent für eine Professorin („Teaching Assistant“) arbeiten, was die laufenden Lebenshaltungskosten spürbar reduzierte. Hierzu sollte man nach seinem ersten Semester einfach bei den Professoren nach möglichen Stellen nachfragen. Dabei entspricht die Tätigkeit inhaltlich im Wesentlichen einer Stelle an einem universitären Lehrstuhl, bei der Lehrveranstaltungen aufbereitet und administrativ betreut werden. Der wöchentliche Arbeitsaufwand ist sehr individuell, hat mir bei aber durchschnittlich etwa 8–10 Zeitstunden in Anspruch genommen.
Entscheidung für die BU und das Intellectual Property and Information Law Program
Neben dem großzügigen Teilerlass der Studiengebühren und der Location (dazu weiter unten) sprachen für mich vor allem zwei Gründe entscheidend für die Boston University: das exzellente Kursprogramm und die zeitlichen Rahmenbedingungen.
Inhaltlich bietet die BU neben dem LL.M. in American Law verschiedene Spezialisierungen an: Banking & Financial Law, Taxation oder Intellectual Property & Information Law. Die meisten Studierenden entscheiden sich für den LL.M. in American Law, der einem die größte Flexibilität hinsichtlich der Kurswahl bietet. Ich entschied mich für den LL.M. in Intellectual Property & Information Law, da ich im Rahmen meines Studiums in Deutschland schon einige englischsprachige Kurse zum Common Law of Contract, Torts, U.S. Constitutional Law etc. belegt habe und mich daher eine Spezialisierung mehr angesprochen hat. Auch der LL.M. in IP bietet eine große Flexibilität hinsichtlich der Kurswahl und erlaubte es einem, auch die erforderlichen Kurse zu belegen, um für das New York Bar Exam oder Massachusetts Bar Exam zugelassen zu werden.
Perfekt war zudem die zeitliche Ausgestaltung des LL.M.-Programms. Als eine der wenigen Universitäten in den USA bietet die BU die Möglichkeit, sowohl – wie üblich – im Herbst als auch zu Beginn des Jahres im Januar den LL.M. zu beginnen. Da ich mein Erstes Staatsexamen im Juli abgeschlossen hatte und die meisten Bewerbungsfristen für den Herbst bereits abgelaufen waren, bot der Start im Januar für mich die perfekte Möglichkeit, alsbald meinen LL.M. zu beginnen und vorher noch genügend Zeit zu haben, in einer Großkanzlei meine (Teil-)Finanzierung voranzutreiben. Ich begann mein Studium also im Januar und konnte die lange Sommerpause (ca. Mitte Mai bis August) nutzen, um das Land zu bereisen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Roadtrip entlang der amerikanischen Ostküste sowie ein zweiwöchiger Aufenthalt auf Hawaii.


Das Studium an der BU
Das Kursprogramm kann man sich unter Einhaltung der Vorgaben des gewählten Schwerpunkts frei gestalten. Allen Programmen ist gemeinsam, dass zwei Pflichtkurse „Introduction to American Law“ und „Legal Research & Writing“ belegt werden müssen, wobei diese aber auch für die Zulassung zum NY Bar Exam zwingend erforderlich sind. An der BU besteht zudem die Möglichkeit, Kurse nur für LL.M.-Studierende oder J.D.-Kurse zu belegen. Auch eine Kombination ist möglich. Die J.D.-Kurse sind Veranstaltungen, die primär an die regulären J.D.-Studierenden gerichtet sind. Deshalb ist dort das Lerntempo und der Vor- und Nachbereitungsaufwand höher, aber auch die Lernkurve steiler als in den LL.M.-Kursen. Auch bietet die BU viele Seminare an, die in Kleingruppen stattfinden (10 bis 20 Studierende) und die auf das Erlernen praktischer Fähigkeiten (z.B. Erstellung von License Agreements, Verhandlung von M&A-Deals etc.) gerichtet sind. Aus meiner Sicht bietet sich eine Kombination von Seminaren, J.D.- und LL.M.-Kursen an, um einerseits fachlich voranzukommen, aber gleichzeitig eine gute Balance zur Freizeit zu wahren. Schließlich ist ein LL.M.-Studium auch eine großartige Möglichkeit, neue Freundschaften zu schließen, interkulturelle Erfahrungen zu sammeln und das Land zu erkunden.
Besonders hervorzuheben ist die exzellente Ausstattung der Law School und die unglaublich freundlichen Mitarbeitenden. Während der „Law Tower“ von außen keinen Schönheitspreis gewinnen wird, sind sowohl die Bibliothek als auch die Vorlesungsräume exzellent ausgestattet und gehen weit über die Ausstattung deutscher öffentlicher Universitäten hinaus. Das LL.M.-Programm ragt aber weit über Ausbildungsveranstaltungen heraus. An der BU gibt es sowohl berufsbezogene Angebote (Veranstaltungen zur Verbesserung von Bewerbungsunterlagen, kostenlose Bewerbungsfotos) als auch ein großes Angebot an Freizeitaktivitäten. Zu meinen Highlights gehörten eine geführte Tour durch Washington, D.C. inklusive Besuch des Supreme Courts und des U.S. Congress, Apple-Picking im Herbst sowie Eislaufen in der Halle der Universitätsmannschaft. Zudem bestand die Möglichkeit, vergünstigte Tickets für die Boston Celtics (Basketball), Boston Red Sox (Baseball) und Boston Bruins (Eishockey) über die Universität zu erhalten. Für mich als Sportfan ein absolutes Muss. Auch die eigene sportliche Aktivität kommt im Angebot der BU nicht zu kurz, da ein großzügiges universitätseigenes Sportprogramm angeboten wird. Auch das nur unweit des „Law Towers“ gelegene, universitätseigene Fitnessstudio FitRec steht für das eigene Training zur Verfügung. Das FitRec verfügt über alles, was das Sportlerherz begehrt: unter Anderem Basketball-, Squash- und Tischtennisplätze, ein großes Schwimmbecken oder einen Kletterbereich.


Für mich persönlich waren auch die Mitarbeitenden ein großes Highlight meiner Zeit an der BU. Jederzeit kann man sich bei Fragen oder Problemen an den Staff wenden. Auch für einen typischen amerikanischen Small Talk sind Sie immer zu haben. Von besonderer Hilfe war für mich das Professional Development Team, da es bei meiner Zulassung zum New York Bar Exam zu Problemen kam, die ich mit Hilfe der Mitarbeitenden aber zum Glück gelöst bekommen habe. Allein wäre das undenkbar gewesen! Sehr empfehlenswert ist es, dass Professional Development Team auf die Recruiting-Events von Großkanzleien mit Standorten in Deutschland anzusprechen, auf die man sich bewerben kann. Ist die Bewerbung erfolgreich, werden z.T. ganze Wochenendtrips (für mich u.a. nach New York und San Diego) organisiert und die Kosten dafür umfassend übernommen. Die Events sind eine großartige Möglichkeit, in den USA Kontakte für die weitere berufliche Laufbahn zu knüpfen.
Das Leben in Boston und Umgebung: Teuer, aber charmant und vielseitig
Das Leben in Boston ist teuer. Es stehen zwar möblierte Zimmer über das universitäre Housing zur Verfügung, diese sind aber begrenzt, sodass man sich so früh wie möglich darum kümmern sollte. Preislich sind sie auch nicht unbedingt günstiger, sondern kosten mehr als $ 1500 pro Monat. Auf dem freien Markt sind die Preise für WG-Zimmer sehr schwankend. Während eine Freundin etwas für > $ 1000 gefunden hat, dürfte sich der durchschnittliche Preis zwischen $ 1500 und $ 2500 pro Monat bewegt haben. Ich habe in zwei unterschiedlichen WGs gelebt und jeweils monatlich rund $ 1700 bezahlt. Bei der Wohnungssuche sollte man vor allem darauf achten, gut an den ÖPNV angebunden zu sein, wobei die U- und Straßenbahnen meiner Erfahrung nach etwas verlässlicher und schneller sind als die Busse.
Mir hat besonders meine WG-Zeit in Cambridge gefallen. Cambridge liegt auf der anderen Seite des Charles River und ist für seine hervorragenden Institutionen wie das MIT und die Harvard University bekannt. Im Gegensatz zu Downtown Boston ist Cambridge mit vielen ein- bis zweigeschossigen Häusern bebaut und hat einen eher suburbanen Charakter. Da meine WG nur unweit von der BU war, konnte ich morgens immer mit dem Fahrrad zur Uni fahren, dabei die BU Bridge passieren und den einzigartigen Ausblick auf Downtown Boston genießen, den ich mittlerweile sehr vermisse.

Boston ist auch ein toller Ausgangspunkt für Kurztrips in die nächsten Großstädte Philadelphia und New York oder die ländlicheren Bundesstaaten Vermont, Maine, Rhode Island oder New Hampshire. In Letzterem kann man im Winter sogar Skifahren. Besonders empfehlenswert ist auch ein Trip nach Cape Cod, welches in Deutschland immer mal wieder mit Sylt oder anderen Nordseeinseln verglichen wird.

Fazit
Mein Jahr an der Boston University war definitiv eines der besten Jahre meines Lebens. Die Kombination aus dem großen Kursprogramm, einer erstklassigen Betreuung und der hohen Lebensqualität in Boston hat die Stadt zu meiner zweiten Heimat gemacht. Ich kann die BU jedem uneingeschränkt weiterempfehlen!
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