Home | LL.M.-Erfahrungsberichte Kristina Haller: Fordham School of Law (2024/2025)

LL.M. am modernsten Campus in Manhattan

Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der Fordham School of Law (2024/2025)

Veröffentlicht am 3.9.2025

Kristina Haller, LL.M. (Fordham)

Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Taylor Wessing

Für mich erfüllte sich ein lang gehegter Wunsch: ein Jahr amerikanisches Recht am hochmodernen Campus der Fordham School of Law, direkt an der Upper West Side neben dem Central Park. In Deutschland ist die Uni zwar weniger bekannt, in New York jedoch fest etabliert und in der juristischen Welt hoch angesehen. Sie steht renommierten Ivy-League-Schulen in nichts nach.

Inhalt

Zeitpunkt

Ich habe meinen LL.M. in International Dispute Resolution direkt nach dem ersten Staatsexamen aufgenommen. Nach der intensiven Vorbereitungszeit brauchte ich Abstand, gleichzeitig wusste ich nicht, ob sich nach dem Referendariat noch einmal die Gelegenheit für ein Auslandsjahr ergeben würde. Wer gezielt eine Karriere in den USA plant, sollte aber durchaus überlegen, den Schritt nach dem zweiten Examen zu gehen, da man als zugelassene Anwältin in Deutschland bessere Chancen haben wird, in New York einen Job zu finden.

Campus in der Bronx/Graduation
Campus in der Bronx/Graduation

Warum New York und Fordham?

Nach einem Besuch stand für mich schnell fest: New York sollte mein Studienort werden. Ein US-Abschluss wird bei internationalen Kanzleien geschätzt und die Stadt bietet ein unvergleichliches Umfeld.

Das Bewerbungsverfahren erfordert viel Vorlauf – mindestens ein Jahr. Zwischen TOEFL-Test, Motivationsschreiben, Empfehlungsschreiben und Visum vergeht schnell Zeit. Auch Stipendien müssen früh beantragt werden.

Ausschlaggebend für meine Entscheidung für Fordham waren der zentrale Standort und das ausgezeichnete Dispute-Resolution-Programm. Die Kohorte von etwa 140 LL.M.-Studierenden war groß genug für Vielfalt, aber überschaubar, um persönliche Kontakte zu knüpfen. In meinem Jahrgang waren wir jedoch nur zwei Deutsche, was ich aber nicht als negativ empfand. Zudem bietet Fordham zehn Spezialisierungen, flexible Starttermine und sogar Teilzeitmodelle. Außerdem wurde die Law School 2014 neu errichtet und ist damit deutlich moderner als die NYU oder Columbia. Die Vorlesungsräume sind alle mit der neusten Technik ausgestattet. In der geräumigen Bibliothek hat man einen wunderschönen Blick auf das Lincoln Center und die Plaza ist ein hübscher Garten, indem man seine Mittagspause verbringen kann. Übrigens wurde in der Law School ein Teil der Netflix-Serie „The Night Agent“ gedreht und selbst Robert de Niro trug einen Fordham-Pullover in der Serie „Zero Day“.

Central Park in der Nähe des Campus
Central Park in der Nähe des Campus

Ein besonderer Vorteil war die Teilnahme an dem von der NYU veranstalteten International Student Interview Program. Dort sind fast alle großen deutschen Kanzleien vertreten – über diesen Weg habe auch ich eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin gefunden.

Bei den Studiengebühren lohnt es sich unbedingt, über die Höhe des Stipendiums zu verhandeln: Ich konnte meine Förderung von Fordham dadurch noch einmal erhöhen, zusätzlich hat meine Familie mich finanziell unterstützt.

Studienalltag und Leben in der Stadt

Der LL.M. begann mit einer zweiwöchigen Orientation. Die wenigen sozialen Veranstaltungen machten den Einstieg zunächst nicht leicht, zumal schon kurz darauf die erste Klausur anstand. Das amerikanische System war ungewohnt: Ständige Lektüre von hunderten Seiten, regelmäßiges „Cold Calling“, aber insgesamt eine faire Prüfungsstruktur mit vielen Open-Book-Klausuren und einer Bewertung nach Curve. Dies bedeutet, dass die Professor*innen Noten so vergeben müssen, dass ein bestimmter Notenschnitt erreicht wird. Dadurch gibt es weniger schlechte Noten, jedoch ist es auch schwieriger sehr gute Noten zu erzielen.

Akademisch hat mich insbesondere der Kurs International Disputes and Investigations beeindruckt – Professor Fernandez gestaltete ihn praxisnah und lebendig. Generell stammen die meisten Lehrenden direkt aus der Praxis, was den Unterricht besonders greifbar macht.

Ein prägender Moment war mein Praktikum am Supreme Court of New York. Fordham vermittelt regelmäßig Praktika an LL.M.-Studierende und diese Chance sollte man unbedingt wahrnehmen. Auch Exkursionen zu Gerichtsverhandlungen oder Institutionen wie der American Arbitration Association sind sehr empfehlenswert.

Daneben gibt es zahllose Networking-Veranstaltungen, oft mit kostenlosem Essen – in New York nicht zu unterschätzen. Wer möchte, kann sich auch in Journals oder Studierenden-Organisationen engagieren.

Aussicht von der Law School
Aussicht von der Law School

Die Wohnungssuche war eine Herausforderung. Das Wohnheim der Fordham war mir zu teuer und zudem unmöbliert, weshalb ich mich auf Facebook-Gruppen konzentriert habe. Empfehlenswert fand ich Viertel wie Williamsburg, West Village oder die Lower East Side. Für ein WG-Zimmer sollte man mindestens 1.500 Dollar im Monat einkalkulieren – je nach Lage auch deutlich mehr.

An das Leben in New York musste ich mich erst gewöhnen – es ist laut, hektisch und teuer. Nach etwa drei Monaten fühlte ich mich aber heimisch. In meiner Freizeit habe ich Museen (absoluter Favorit: das Met), Parks und unzählige Cafés erkundet. Auf jeden Fall sollte man die ein oder andere Roof Top Bar besuchen und Second Hand shoppen gehen in Brooklyn. Besonders ans Herz legen kann ich den Hudson River Park, wo viele Sportangebote kostenlos sind. Zwar sind Fitnessstudios und Restaurants kostspielig, doch die Metro-Flatrate für maximal 34 Dollar pro Woche ist sehr praktisch. Reisen lohnen sich: während des Studiums habe ich u. a. Boston, Washington D.C., Miami und Puerto Rico besucht.

Kajak fahren im Hudson River Park
Kajak fahren im Hudson River Park
Columbus Circle bei der Law School
Columbus Circle bei der Law School

Vorbereitung auf das Bar Exam

Da ich mir vorstellen kann, später in New York zu arbeiten, habe ich mich für das New York Bar Exam entschieden. Wichtig ist, frühzeitig die Unterlagen einzureichen – idealerweise gleich zu Studienbeginn.

Die Zusatzkosten sind nicht zu unterschätzen: rund 5.000 US-Dollar für Barbri-Kurse, Visa- und Prüfungsgebühren sowie Lebenshaltungskosten für die zusätzlichen Monate. Das Examen selbst umfasst zwei volle Tage mit Essays und Multiple-Choice-Fragen; weitere kleinere Tests hatte ich bereits während des Studiums absolviert. Zudem verlangt New York 50 Stunden Pro-Bono-Arbeit, die ich mir durch mein Praktikum am Gericht anrechnen lassen konnte.

Die Vorbereitung mit Barbri dauerte etwa acht Wochen, ich lernte täglich sieben bis acht Stunden. Verglichen mit dem Staatsexamen empfand ich es zwar weniger kräftezehrend, unterschätzen darf man es jedoch keinesfalls.

Lernen in der NYPL
Lernen in der NYPL

Rückblick

Mein Jahr in New York war voller Herausforderungen, aber ebenso voller bereichernder Erfahrungen. Ich habe Freundschaften geschlossen, berufliche Kontakte geknüpft und viel über mich selbst gelernt. Rückblickend war der LL.M. an der Fordham University für mich sowohl persönlich als auch beruflich ein enormer Gewinn – eine Erfahrung, die ich jederzeit wiederholen würde.

Empire State Building scheint in Fordham-Farben
Empire State Building scheint in Fordham-Farben

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