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Raise high – Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der George Washington University Law School (2019/2020)

Veröffentlicht am 30.5.2021

Yves Heuser, LL.M. (GWU)

Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei SKW Schwarz (Berlin) im Fachbereich gewerblicher Rechtsschutz

Nach einem zunächst etwas ernüchternden Ergebnis im ersten Examen, war ein LL.M.-Studium im akademischen Jahr 2019/2020 mit der Spezialisierung im Intellectual Property Law (IP Law) an der George Washington University in Washington, D.C. genau das richtige, um mich wieder zu motivieren.

Inhalt

Why „GDub“?

Für die George Washington University Law School (GW Law) habe ich mich aufgrund der Stadt und dem dort angebotenen IP-Programm entschieden. Während mich Washington, D.C. schon auf einer längeren Rundreise durch die USA im Jahr 2015 begeistert hat, wurde ich auf das IP-Programm von einem Professor in Freiburg aufmerksam gemacht, bei dem ich nach dem 1. Staatsexamen aus Interesse Vorlesungen im Patentrecht besucht hatte.

Folgende Faktoren waren für meine Entscheidung wichtig und ich würde auch im Nachhinein wieder anhand dieser entscheiden:

  • Trust your guts: Du musst dich mit deiner Entscheidung restlos wohl fühlen, egal was andere sagen.
  • Choose a city: Du wirst dich ein Jahr an dem Ort deiner Law School aufhalten, stelle also sicher, dass dir Größe, Kosten, Freizeitangebote und Klima zusagen.
  • Orientiere dich an Rankings, aber ordne sie ein: Auch eine Top-30-Schule kann die richtige Wahl für dich oder in deinem Fachgebiet in den Top 5 sein.
  • Mache ein spezialisiertes LL.M.-Programm: Für den Titel „LL.M.“ ist es ohne Bedeutung, ob du ein allgemeines oder spezialisiertes Programm absolvierst, du kannst dich aber durch Letzteres vertieft mit einem Rechtsgebiet beschäftigen und dich in Jobinterviews abheben.

Ich hatte aufgrund meines Urlaubs mit „D.C.“ ein gutes Bauchgefühl, die Stadt hatte mich optisch und kulturell überzeugt und GW Law war damals noch in den Top 25 des US-News-Rankings und im IP-Bereich sogar in den Top 10 (jetzt Top 4). Außerdem hat Washington, D.C. mit dem Supreme Court, dem US Court of Appeals for the Federal Circuit, dem Copyright Office (als Teil der Library of Congress) und dem US Patent and Trademark Office (USPTO) alle wichtigen Institutionen für das Patent-, Marken- und Urheberrecht in unmittelbarer räumlicher Nähe. Die Entscheidung für GW Law habe ich dann auch zu keinem Zeitpunkt bereut.

Schriftzug an einem der Haupteingänge der GW Law (H St NW/20th St NW)

Bewerbungsverfahren

Zur Vorbereitung meines Bewerbungsverfahrens war ich auf keiner LL.M.-Messe. Allerdings kann ich aufgrund meiner Erfahrung vor Ort sagen, dass solche persönlichen Anknüpfungsmomente für die spätere Bewerbung von großem Vorteil sind, und dass man sich damit von der Masse abheben kann.

Während der durchaus fordernden Bewerbungsphase konnte ich insbesondere auf einen guten Freund zurückgreifen, der bereits vor mir einen LL.M. in den USA gemacht hatte. Ich empfehle sehr, im Zweifel auch fremde Menschen – so wie mich – anzusprechen und um Hilfe zu bitten, das lässt sich durch nichts ersetzen!

Die beiden zentralsten Dokumente für die Bewerbung sind wohl das Motivationsschreiben und die (professoralen) Gutachten.

Das Motivationsschreiben war für mich die Möglichkeit zu zeigen, warum ich mich für das konkrete Programm und die Law School interessiere und wie diese auch von mir als Student profitieren kann. So war es mir wichtig zu betonen, dass Washington, D.C. die Herzkammer der amerikanischen Politik ist und ich schon immer politisch interessiert – und vor allem auch aktiv – war. Außerdem habe ich die lange Tradition der GW Law hervorgehoben und geschrieben, wie gerne ich Teil dieser Tradition sein möchte. In Bezug auf meine Qualifikation und als Alleinstellungsmerkmal habe ich dargestellt, dass ich bereits für einen Patentrechtler arbeite, entsprechende Vorlesungen besuche und auch während meines Studiums als studentische Hilfskraft die akademische Welt „von innen“ gesehen habe. Diesen Hintergrund wollte ich auch an die GW Law mitbringen und damit die Law School bereichern und mitgestalten.

Blick auf das U.S. Capitol von First St NE/US Supreme Court aus

Diese Mischung habe ich auf fast zwei Seiten – und ich denke, mehr sollte man nicht schreiben – zusammengefasst. Ich glaube, dass mir mein Engagement in Deutschland und meine berufliche Erfahrung (das LL.M.-Studium zieht viele bereits berufstätige Menschen an) geholfen haben, wobei beides jedoch aus meiner Sicht kein Muss oder keine Garantie dafür ist, angenommen zu werden. Vielmehr ist es wichtig, herauszustellen, warum man selbst wertvoll für die Universität ist, und dazu kann jedes noch so ausgefallene Hobby beitragen. Dabei sollte man sich nicht allzu bescheiden geben und gerne – U.S.-amerikanisch – dicker auftragen.

Bei der Erstellung des Motivationsschreibens bin ich so vorgegangen, dass ich mir ein Grundgerüst überlegt, dieses einmal heruntergeschrieben und dann für die jeweiligen Law Schools individuell angepasst habe.

Für die Gutachten habe ich den bereits erwähnten Professor im Patentrecht gefragt, meinen ehemaligen Chef (auch Professor) und einen Europaabgeordneten, bei dem ich ein Praktikum absolviert habe. Bei der Auswahl würde ich mich nicht zu sehr auf Professor:innen versteifen, es kann auch sehr interessant sein, andere „Charakterzeug:innen“ zu wählen, wenn es zulässig ist. Das macht das Gutachten auch spannender, zudem ist der Status „Professor:in“ in den USA nicht vergleichbar mit dem in Deutschland. Wenn ihr die Gutachten auch für Stipendien verwenden wollt, kann eine Professor:in natürlich ein Muss sein. Ich habe alle drei Gutachter:innen darum gebeten, mir sowohl neutrale als auch an die Law Schools angepasste Empfehlungsschreiben zu erstellen. Wenn ihr freundlich fragt, sollten die Gutachter:innen demgegenüber aufgeschlossen sein. Dadurch könnt ihr euch offenhalten, euch spontan noch bei anderen Law Schools zu bewerben bzw. das Gutachten vielseitiger einzusetzen.

Nachdem alle Unterlagen bei LSAC eingegangen waren, konnte ich mich innerhalb weniger Stunden bei einer Mehrzahl an Law Schools bewerben. Ich habe den LSAC-Evaluationsservice genutzt und würde das auch empfehlen, sofern es euch finanziell möglich ist. Da ich persönlich wegen der Bewerbungsdeadlines und des späten Eingangs meiner Dokumente bei LSAC ins Schwitzen gekommen bin, rate ich dazu, alle Unterlagen mindestens einen Monat vor Bewerbungsschluss mit entsprechend schnellem Versand in die USA zu schicken. Im Frühjahr ist bei LSAC Crunchtime und die Bearbeitung der Dokumente kann einige Zeit in Anspruch nehmen.

Finanzierung

Für die Finanzierung der horrenden Studiengebühren habe ich mich frühzeitig mit meiner lokalen Volksbank über Kredite unterhalten und mich bei verschiedenen Kanzleistipendien beworben – für das Stipendium des DAAD war ich sowohl im Examen zu schlecht als auch zu spät dran. Bei all meinen Recherchen zur Finanzierung fand ich den CHE-Studienkredit-Test sehr hilfreich. Wichtig zu wissen ist, dass der KfW-Bildungskredit erst dann geprüft wird, wenn das Studium unmittelbar bevorsteht (meines Wissens erst 2 Monate vor Beginn). Das dürfte aber für die meisten LL.M.s viel zu spät sein, denn nach der Zusage muss man der U.S.-Uni recht schnell nachweisen, dass man finanziell abgesichert ist.

Am Ende konnte ich mir dann durch einen privaten Kredit aus der Familie die Studien- und Lebenskosten sichern und werde für dieses Privileg für immer dankbar sein.

Sehr hilfreich ist auch, der Law School gegenüber zu kommunizieren, dass ihr euch ein Studium dort nur schwer leisten könnt. Die Law Schools wissen, dass sie teuer sind und werden, wenn sie an euch interessiert sind, einen Weg finden, die Studienkosten teilweise bis auf null zu drücken. In meinem Fall hatte ich dadurch eine Reduzierung der Gebühren um $ 15,000 erhalten. Eine großzügige Geste der Uni, die mir das Auslandsjahr – zusammen mit der Hilfe meiner Familie – erst ermöglicht hat.

Wappen der George Washington University im Treppenhaus zum Studierendensekretariat der Law School
Wappen der George Washington University im Treppenhaus zum Studierendensekretariat der Law School

Es hilft hier also, seine Scham zu überwinden und gegebenenfalls sogar vor Ort anzurufen bzw. eine E-Mail zu schreiben, nachdem man eine Zusage erhalten hat. Im Falle einer Law School war es sogar so, dass ich freundlich abgesagt habe, um dann kurze Zeit später gefragt zu werden, ob ich nicht doch kommen würde, wenn man mir ein besseres Angebot machen würde. Darauf sollte man aber natürlich nicht hoffen.

Studienjahr, Studium und Law School

Campus-Ausstattung und -Leben

Der GW Campus liegt – abgesehen von einem abgelegenen Zusatzcampus außerhalb der Stadt neben der deutschen Botschaft – konzentriert in der Nähe des Lincoln-Memorial am Ende der Mall, zwischen World Bank und Department of State im „Stadtteil“ Foggy Bottom. Es ist kein zusammenhängender Campus und wird immer wieder unterbrochen von nicht unmittelbar universitären Gebäuden.

Die Metrohaltestelle „Foggy Bottom-GWU“, die direkt auf dem Campus liegt
Die Metrohaltestelle „Foggy Bottom-GWU“, die direkt auf dem Campus liegt

Es gibt einige sehr schöne Plätze, auf denen man sich gut aufhalten kann, wie etwa die Wiese vor der Law School und überall von der Uni bereitgestellte Sitzgelegenheiten. In einem riesiges Fitness- und Sportcenter kann man als Student:in ohne extra Kosten trainieren und neben ein paar Food Courts (die jedoch deutlich teurer als die Mensen an den deutschen Unis sind) existiert ein großes Auditorium und eine Sporthalle, in der die Uni-Veranstaltungen stattfanden.

Ein großes Problem war aus meiner Sicht aber die Barrierefreiheit der Law School selbst, was zum Teil aus dem Zusammenwachsen ihrer eigentlich eigenständigen Teilgebäude herrührte. Wenn ihr also auf bestimmte Angebote angewiesen seid, dann erwartet hier nicht allzu viel. Ansonsten war die räumliche Ausstattung aber angemessen gut.

Blick in die Jacob Burns Law Library der GW Law

Fast jeden Tag fanden überall auf dem Campus verschiedenste Events oder Aktionen statt, deren Fokus allerdings auf den jüngeren Studierenden lag. Auch in der Law School gab es täglich mehrere Veranstaltungen – wenn man gewollt hätte, hätte man sich hier immer sein gratis Essen abgreifen können – und verschiedenste interessante Vorträge. Dazu hat das Law-School-Personal eine Halloween Rally durch die Bibliothek und eine Candybar am Valentinstag organisiert. Die Law School selbst hatte viele Räume und Bereiche, um sich aufzuhalten, zu essen, zu lernen und zu entspannen. Im ganzen Gebäude waren zum Beispiel kleine Küchen verteilt, in denen man sein mitgebrachtes Essen hätte aufwärmen oder lagern können.

Es gab also viele Gelegenheiten, um sich unter die U.S.-Kommiliton:innen zu mischen und Freundschaften zu knüpfen, allerdings fällt das in der Realität dann doch schwerer als man denkt. Dies war – zusammen mit meiner Tätigkeit in der Studierendenvertretung in Deutschland – auch ein Grund, warum ich mich entschieden habe, auch in der Law School in der Studierendenvertretung aktiv zu sein. Diese Erfahrung kann ich nur empfehlen, wenn ihr ein grundsätzliches Interesse an Politik habt und in den direkten Austausch mit euren amerikanischen Kommiliton:innen treten wollt.

Tischvorlage mit Tagesordnung in einer Student-Bar-Association-Senatssitzung, also der Legislative der Law-School-Studierendenvertretung

Kurse

Das Kursangebot der GW Law ist umfassend und wenn es einem nicht reichen sollte, kann man es durch Veranstaltungen der anderen Universitäts-„Schools“ ergänzen oder sogar an Kurse an einer anderen Law School in „D.C.“ teilnehmen, was aber die Zustimmung des Studierendensekretariats vorausgesetzt.

Ich habe wegen meiner Spezialisierung fast ausschließlich IP-Kurse besucht und diese sehr genossen. Nicht nur war ich noch nie so tief in eine spezielle Materie eingetaucht, sondern die Auswahl an Themen und Professor:innen war auch sehr spannend. Unter meinen Profs waren Kanzlei-Partner, ein ehemaliger Patentprüfer und Rechtsanwalt, ein Richter eines der höchsten Gerichte in den USA und angesehene Akademiker. In Kursen vom allgemeinen Patentrecht bis hin zu Patent-Lizenzverträge habe ich so einen umfassenden Einblick in die U.S.-IP-Welt erhalten. Dazu kamen die unzähligen Gastvorträge auch jenseits des IP-Bereichs, so war zum Beispiel John Rizzo, ehemaliger Acting General Counsel der CIA zu Besuch.

Vorlesungs- und Moot-Court-Raum während einer Panel Discussion zum Patentrecht mit u.a. Judge Theodore Essex, Dean John Whealan und Brian Kacedon (Partner, Finnegan Law) (v.l.n.r.)

Die GW Law liegt im Zentrum von D.C. und das bedeutet, dass Institutionen und Kanzleien oft in Gehweite sind. So gab es für die IP-LL.M.s organisierte Besuche beim USPTO, im Copyright Office und beim Supreme Court. Hier merkte man, mit wieviel Mühe das IP-Programm der GW Law gepflegt wird.

Die internationalen IP-Studierenden vor dem U.S. Supreme Court

Ein nicht zu unterschätzender Punkt waren auch die zahlreichen Networking- und Kanzlei-Events, die es speziell für den IP-Bereich gab und von denen ich deshalb auch sehr profitieren konnte. Der Austausch mit Praktiker:innen hat mindestens genauso viel Spaß gemacht wie die kostenlosen Essen und Getränke.

Gemeinschaft

Von Anfang an wurden wir von der Law School sehr zuvorkommen empfangen und betreut. In der Orientierungsphase bekamen wir so viele Informationen, dass man sie nur schwer verarbeiten konnte. Trotzdem hat man das Besondere am GW-Law-LL.M.-Programm direkt bemerkt: Wir waren nur knapp 80 oder 90 internationale Studierende und dazu kam, dass das Jahr mit einer Blockveranstaltung für diese überschaubare Klasse begann. Deshalb war es anders als in größeren Programmen möglich, fast alle Kommiliton:innen kennenzulernen, sodass ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und eine familiäre Stimmung herrschte.

Basketball-Spiel der GW Colonials im Charles E. Smith Center

Die kleine Programmgröße ermöglichte es unseren Koordinator:innen auch, sehr schöne Veranstaltungen für uns zu organisieren. Darunter waren etwa ein internationales Potluck-Event und ein Thanksgiving Dinner. Außerdem konnte man jederzeit bei den Koordinator:innen, unterstützt von der LL.M.-Karriereberaterin, vorbeischauen und um Rat und Hilfe bitten.

Daneben haben wir aus der LL.M.-Klasse heraus auch eigene Events organisiert, darunter Partys, Pub-Nights, Vorträge und Filmabende. Auch das hat dazu beigetragen, dass man verhältnismäßig eng zusammengewachsen ist.

Ein Kuchen, den die Law School uns zum Potluck beigesteuert hat

Trotzdem habe ich die meiste Zeit mit einigen mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsenen engsten LL.M.-Freund:innen verbracht. Das großartige an einem internationalen LL.M.-Programm ist meines Erachtens, dass man so viele Menschen aus anderen Ländern kennenlernt und so habe ich jetzt eine kleine, vorwiegend über Südamerika verstreute LL.M.-Familie, mit denen ich auch immer noch in regelmäßigen Austausch stehe.

Die internationalen LL.M.-Studierenden bei einem gemeinsamen Picknick im University Yard vor Beginn des Programms

Washington, D.C.

Die GW Law School liegt im Zentrum von Washington, „D.C.“ und so konnte ich es bereits ab Beginn des Aufenthalts genießen, dass die National Mall mit all ihren wichtigen Wahrzeichen vom Capitol über das Weiße Haus bis hin zum Lincoln Memorial nur 10 Minuten zu Fuß vom Campus entfernt waren. Bereits bei meinen ersten Erkundungstouren konnte ich somit die Geschichte der USA „anfassen“.

Sehenswürdigkeiten

In meinem Jahr konnte ich dann auch die wichtigen Gebäude besuchen und hatte für die Besichtigung viel mehr Zeit als wenn man beispielsweise nur einen Wochenendtrip nach „D.C.“ macht. Eines meiner coolsten Erlebnisse war es etwa, meine Seminararbeit in der Library of Congress zu schreiben.

Mein Blick in das Rund der Library of Congress beim Schreiben der Seminararbeit

Neben den Sehenswürdigkeiten gibt es zahlreiche Museen mit oftmals kostenlosem Eintritt, sodass man sich den Besuch auch in mehrere Etappen „einteilen“ kann. Die National Mall ist dabei der Dreh- und Angelpunkt und deshalb war es umso schöner, dass ich dort auch meine Jogging-Runden gemacht habe und unzählige Male mit meinen Freund:innen spaziert bin.

Nachtleben und Unterhaltung

Das Nachtleben in „D.C.“ spielt sich vor allem in Restaurants und Bars ab, weniger in Clubs, trotzdem war ich oft spontan nach der Uni auch zum Tanzen dort. Anders als meine Freund:innen habe ich nicht oft Basketball-, Baseball-, Football- oder Eishockey-Spiele besucht. Für mich war es viel spannender, ein Unlimited-Kino-Abo zu haben und spontan in irgendeine Vorstellung „meines“ Kinos mit den riesigen Lounge-Sesseln zu gehen.

Die Band „Meute“ gibt ein spontanes Konzert auf der National Mall, im Hintergrund das Washington Monument

Fortbewegung

Alle wichtigen Orte sind durch das gut ausgebaute – aber extrem störungsanfällige – ÖPNV-System zu erreichen. Ich habe mir, weil ich etwas außerhalb wohnte, eine Pendlerkarte geholt und konnte damit fast alle Strecken zum Festpreis fahren, was ich nur empfehlen kann.

Zusätzlich hatte ich noch ein Bikesharing-Abo von CapitalBikeshare, sodass ich eigentlich nicht auf Uber & Co. angewiesen gewesen wäre, habe es aber dennoch oft – insbesondere nachts – in Anspruch genommen. Insgesamt ist es sehr einfach, sich in „D.C.“ von A nach B zu bewegen, vieles ist ohnehin fußläufig und auch finanziell bleibt die Fortbewegung bezahlbar – verglichen mit Deutschland aber trotzdem sehr teuer.

Wohn- und Unterhaltskosten

Der Wohnungsmarkt in „D.C.“ ist wahnsinnig angespannt und teuer. Mit Zeit bei der Suche findet man zwar eine günstigere Bleibe. Als internationale Student:in hat man aber eher weniger Zeit und deshalb sollte man mit Kaltmieten ab $ 700 aufwärts rechnen, ich selbst habe sogar $ 1,100 pro Monat bezahlt und war damit noch nicht im teuersten Segment angekommen. Ich habe dennoch in einem sehr schönen Apartmentkomplex mit Balkon, Gym, Pool und Gemeinschaftsbereichen gewohnt, was von der Ausstattung nicht unüblich in „D.C.“ ist. Gefunden habe ich meine Wohnung über Roomster.com, eines von vielen Portalen, die darauf spezialisiert sind. Das Portal Craigslist hat eher einen dubiosen Ruf und ich kann auch von niemandem berichten, der diesen entkräftet hätte.

Viel günstiger kann es deshalb sein, außerhalb zu wohnen oder im International Student House, wo es allerdings sein, dass man sich sein Zimmer teilen muss. Wohnheime von der GW University gibt es leider keine, schon gar keine bezahlbaren. Auch im Übrigen sind die Unterhaltskosten verhältnismäßig hoch. Wenn man keinen Walmart in Reichweite hat, sind viele Produkte in den Supermärkten und Pharmacies teurer als in Deutschland, mit etwas Übung hat man seinen Wocheneinkauf aber auch unter Kontrolle. Wohnt man in Virginia und Maryland, was bestenfalls günstiger, aber dafür eben weit weg vom Zentrum ist, kann es auch sein, dass man einen Aldi findet.

Ich, glücklich und mit Heimweh in einem Aldi in Virginia
Ich, glücklich und mit Heimweh in einem Aldi in Virginia

Das Mittagessen auf dem Campus kostet im Schnitt $ 10, wenn man sich nicht sein Essen vorkocht oder mitbringt. Die reinen Wohn- und Lebenskosten, ohne Nachtleben und Vergnügung sind also bereits extrem hoch, das sollte man unbedingt beachten.

Ausflüge

Das Umland von „D.C.“ hat einiges zu bieten, so ist man in vier Stunden in New York, kann aber auch direkt in der Nähe an die Chesapeake Bay, nach Philadelphia oder Baltimore, an den Potomac mit seinen Wasserfällen, den Shenandoah Nationalpark und zu vielem mehr.

Die Wasserfälle im Potomoc von der Virginia-Seite aus

Hier bietet es sich an, ein Auto zu mieten – wie man einen Führerschein bekommt ist eine ganz andere Geschichte, es lohnt sich aber, allein schon als Ausweisdokument und Souvenir. Alternativ sollte man sich in Deutschland frühzeitig um einen internationalen Führerschein bemühen, der aber nicht in jedem Bundesstaat ohne weiteres akzeptiert wird.

Eine Boulder Bridge im D.C.-teilenden Rock Creek Park

Und zum Abschluss noch eine „Warnung“: Washington, D.C. wurde auf einem Sumpf gebaut. Deshalb ist das Wetter im Sommer sehr heiß und schwül und überall sind Unmengen an Mücken. Packt also am besten Mückenspray und Sonnenschutz ein.

Davon abgesehen, ist „D.C.“ eine tolle Stadt, die sich deutlich vom Flair der anderen U.S.-Städte unterscheidet.

Fazit und Empfehlung

Mein LL.M.-Jahr war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Allgemein liegt das vor allem an den großartigen Menschen und den interessanten Erfahrungen, die du aber wahrscheinlich in ähnlicher Weise an jeder Law School kennenlernen bzw. machen kannst. GW Law empfehle ich dir, wenn du dich insbesondere im Bereich IP, Business & Finance oder Human Rights fortbilden möchtest oder etwas im politischen Herzen der USA suchst. Gerade für letzteres sind Standort und Vernetzung fast unschlagbar.

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