Only at GW – Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der George Washington University Law School (2021/2022)

Veröffentlicht am 13.6.2022

Lena Fleischmann

Studentin der Universität Augsburg

Zuallererst möchte ich mich bei allen Verantwortlichen der Universität Augsburg sowie der George Washington University (GW) bedanken, die mir dieses Auslandsjahr ermöglicht haben. Das Austauschprogramm von Professor Möllers ist eine einzigartige Chance im Arbeitsmarkt kompetitiver zu werden und sich persönlich weiterzuentwickeln. An den Partneruniversitäten (außer Pepperdine Law) kann man den LL.M. auch schon vor dem 1. Staatsexamen machen – den Titel darf man jedoch trotzdem erst nach bestandenem 1. Examen tragen. GW ist die beste Universität des Programms (Top 25 der US Law Schools, Top 10 der International Law Programs) und Washington, DC ist eine großartige Stadt, die viel mehr zu bieten hat als man im vorneherein für möglich hält.

Inhalt

Bewerbung

Nähere Information zur Bewerbung für das Partnerprogramm der Uni Augsburg findet man unter https://www.uni-augsburg.de/de/fakultaet/jura/internationales/studium-usa/bewerbung/.

Flüge

Es gibt drei Flughäfen in der näheren Umgebung von DC: IAD (international), DCA (national) und BWI (eigentlich für Baltimore, aber dennoch nicht weit entfernt). Der Flughafen DCA hat den Vorteil nur ca. 10 Minuten von Downtown DC entfernt zu sein, während man vom etwas abgelegenen IAD mindestens 45 Minuten (ohne Verkehr!) und hohe Taxi-/Uber-Fahrtkosten (ca. $ 70) einplanen muss. TSA Pre-Check/Global Entry verkürzen die Wartezeiten bei Security oder Immigration.

Visum

Der Visumsprozess hat mich einige Nerven gekostet, aber primär „nur“ aufgrund der Covid-Situation. Von daher denke ich, dass sich das mittlerweile mehr oder weniger erübrigt hat. Nachdem man alle Unterlagen zusammen hat, kann man bei der Botschaft einen Termin ausmachen, bei dem man Folgendes mitnehmen sollte: Pass, DS-2019/I-20, Sevis Fee Payment und Appointment Confirmation, aktuelle Passbilder sowie ggf. Immatrikulationsbescheinigung und Bankstatement. Je früher man das Visumsverfahren hinter sich bringt, desto besser.

Krankenversicherung

Generell ist jeder Student bei der GW automatisch über die universitätseigene Krankenversicherung versichert. Diese ist jedoch sehr teuer, weshalb man sie auf jeden Fall waiven sollte! Ich habe meine Versicherung mit Milan Lautenbach von der Finanzberatung FORMAXX abgeschlossen und würde ihn auch absolut weiterempfehlen, da er eine super Hilfe war. Die Versicherung hat ca. 60 € pro Monat gekostet.

Kreditkarte

Ich habe im ersten Semester meine deutsche Kreditkarte benutzt – das kann aber wirklich nervig werden, da Fees anfallen und die meisten Amerikaner nur Venmo und kein PayPal haben, sodass es schwierig wird, Geld hin und her zu senden (z.B. Miete, Essen). Ab dem zweiten Semester konnte ich mit dem F-1-Visum ein amerikanisches Bankkonto eröffnen. Ich habe mich für Bank of America entschieden, dort bekommt man unter 25 Jahren ein kostenloses Bankkonto.

Sim-Karte

Ich habe mir vor meiner Abreise meine SIM-Karte bei Lycamobile über Amazon bestellt. Ich hatte keinerlei Probleme mit dem Empfang und nur selten Spam-Anrufe. Der Preis variiert je nach Datenvolumen.

Blick auf das Weiße Haus mit dem Washington Monument im Hintergrund
Blick auf das Weiße Haus mit dem Washington Monument im Hintergrund

Wohnen

Ich habe mich aus verschiedenen Gründen gegen das International Student House (ISH) entschieden und mich selbstständig auf Wohnungssuche begeben.

Ich lege großen Wert auf Privatsphäre und wollte mir aus diesem Grund keinesfalls ein Zimmer mit jemandem teilen. Ein Einzelzimmer im ISH kostet jedoch fast $ 2000, was unglaublich teurer ist – noch dazu sind die Zimmer ziemlich alt und es gibt nur Gemeinschaftsbäder. Man muss erwähnen, dass in dem Mietpreis jeweils kostenloses Frühstück und Abendessen inkludiert ist, jedoch schmeckt dieses Essen dann auch dementsprechend. Ich achte auf meine Ernährung und wollte deshalb lieber einkaufen gehen und mir daheim selbst mein Essen kochen.

Eine Wohnung kann man beispielsweise in Facebook-Gruppen oder auf Craigslist finden, dort posten jeden Tag dutzende Personen ihre Inserate. Letztendlich habe ich vor Ort mehrere Wohnungen angeschaut und mich dann für ein Zimmer in einer 2er WG in der Logan Circle/14th St/U St Area entschieden.

Natürlich ist es zunächst ein größerer Aufwand, sich selbst um eine Wohnung zu kümmern, jedoch haben für mich die Vorteile überwogen und ich habe meine Entscheidung nie bereut. Auch wenn ich nicht im ISH gewohnt habe, habe ich dennoch miterleben dürfen, was für tolle Menschen dort teilweise leben und kann nachvollziehen, wenn für mach andere der soziale Aspekt überwiegt. Außerdem werden dort interessante Veranstaltungen abgehalten, zu denen z.B. Politiker oder Botschafter aus Konsulaten eingeladen werden.

Gegebenenfalls kann man auch vorerst ins ISH ziehen (monatlicher Vertrag, soweit ich weiß) und sich dann vor Ort entscheiden, ob man in eine andere Wohnung wechseln oder dort bleiben möchte.

Reisen

Ich bin bereits Ende Juli nach DC geflogen, um vor dem Semester noch etwas herumzureisen und Freunde zu besuchen und bin letztendlich auch erst Ende Juli final wieder nach Deutschland zurückgeflogen. Ich war in San Francisco, Los Angeles, Denver, Chicago, Detroit, New York, Charleston, Miami, Naples, Puerto Rico und Mexiko. Abgesehen von Thanksgiving/Winter/Spring Break bieten sich auch Wochenenden, im besten Fall verlängert durch einen Feiertag oder geschickt gelegten Stundenplan, gut zum Reisen an.

DC

In DC wird es auf gar keinen Fall langweilig. Die Stadt ist sehr international (und demokratisch anstatt republikanisch), was dazu beiträgt, dass eigentlich jeder offen und freundlich ist. Es gibt unzählige Bars, Restaurants, Clubs, Museen (das Smithsonian Museen und der Zoo sind kostenlos!) und Parks – kurz gesagt: Es ist für jeden etwas dabei. Das Wetter ist gut, lediglich auf die hohe Luftfeuchtigkeit im Sommer muss man sich gefasst machen. Cherry Blossoms machen den Frühling zu einem kleinen Highlight.

Nur ca. eine Stunde mit dem Auto entfernt liegt der Shenandoah National Park. GW bietet eine Capital Bikeshare Membership für $ 25 pro Jahr und eine Metro-Karte für $ 100 an.

Cherry Blossoms in Tidal Basin mit Blick auf das Washington Monument
Cherry Blossoms in Tidal Basin mit Blick auf das Washington Monument

Studium

Ich habe den LL.M. in International & Comparative Law gemacht. Generell ist es ohne Bedeutung, ob ein allgemeiner oder spezieller LL.M. absolviert wird, jedoch kann man sich durch Letzteres vertieft mit einem Rechtsgebiet beschäftigen und sich in Job-Interviews von anderen Bewerbern abheben.

Insgesamt werden für den LL.M. 24 Credits benötigt. Die Studiengebühren berechnen sich pro Credit, welcher ca. $ 2,300 kostet. Pro Semester müssen mindestens 9 und maximal 15 Credits belegt werden. Dadurch, dass die Studiengebühren im ersten Semester aufgrund des Partnerprogramms mit der Universität Augsburg übernommen werden, ist es sinnvoll, in diesem Semester so viele Credits wie möglich abzulegen. Ich würde trotz alledem jedoch nicht empfehlen, mehr als 13 Credits in einem Semester zu belegen, da der Arbeitsaufwand sonst äußert hoch ist. Durch das Konsortium hat man die Möglichkeit bis zu 6 Credits an der Georgetown University (Top 15 der US Law Schools) zu absolvieren.

Das Stipendium des DAAD war im ersten Semester eine große Hilfe. Im zweiten Semester haben mich meine Eltern bei der Finanzierung unterstützt.

Graduation
Graduation

Kurse im Fall Semester (13 Credits)

Fundamental Issues in U.S. Law (2 Credits, Prof. Celorio)

Fundamental Issues in U.S. Law war ein Pflichtkurs. Die Themen werden nur oberflächlich behandelt, jedoch sind die Readings teilweise sehr lang und zeitintensiv. Prof. Celorio gibt den Studenten die Möglichkeit für eine bestimmte Class zu volunteeren, d.h. jede Woche werden etwa vier Studenten, die sich freiwillig gemeldet haben, über die Readings abgefragt. Das hat den Vorteil, dass man sich gezielt auf eine Class vorbereiten kann. „Fundamentals“ ist ein Frontload-Kurs, d.h. er beginnt eine Woche vor allen anderen Kursen und war Ende Oktober bereits vorbei. Anfang November gab es dann das Take Home Exam, bei dem man 10 Tage lang Zeit hatte, die Klausur von zuhause aus zu bearbeiten. Grundsätzlich ist Prof. Celorio eine liebenswerte Professorin, die sich viel Mühe gibt und versucht eine Verbindung mit ihren Studenten aufzubauen.

Bewertung: 4/5

Legal Research & Writing I (1 Credit, Prof. Hanafi)

Legal Research & Writing I war ebenfalls ein Pflichtkurs. Man lernt beispielsweise Legal Memos zu schreiben oder wie man richtig zitiert. Der Arbeitsaufwand war relativ gering und Prof. Hanafi würde ich ausdrücklich weiterempfehlen.

Bewertung: 5/5

Criminal Procedure (3 Credits, Prof. Cheh)

Dadurch, dass ich die Voraussetzungen für das NY Bar Exam erfüllen wollte, musste ich 6 Credits in Basic U.S. Law Courses belegen. Ich fand den Kurs super interessant, aber auch anspruchsvoll und wenn man eine gute Note haben will, muss man sich wirklich ins Zeug legen, da die Kommilitonen überwiegend 1L’s sind. Diese sind im ersten Jahr ihres Studiums äußerst kompetitiv, da sie sich im Sommer auf Praktika bewerben müssen.

Bewertung: 4/5

International Human Rights Law (3 Credits, Prof. Dickinson)

Sehr interessante und gut gestaltete Class – wir haben zwei Role Plays veranstaltet, durch die man die eigene Note verbessern konnte. Man musste viel lesen und Prof. Dickinson betreibt Cold Calling – das ist aber halb so wild, da sie einfach nacheinander durch die Reihen durchgeht, sodass man ungefähr abschätzen kann, wann man sehr gut vorbereitet sein sollte.

Bewertung: 4/5

International Criminal Law (2 Credits, Prof. Buchwald)

Netter Professor, spricht jedoch etwas undeutlich und schweift gerne ab, sodass es keinen wirklichen roten Faden gibt. Generell war es aber ein sehr interessanter Kurs.

Bewertung: 3/5

International Human Rights of Women (2 Credits, Prof. Celorio)

Ich habe in diesem Kurs mein Writing Requirement (Seminararbeit, mindestens 8.000 Wörter) erfüllt. Vor jeder Class musste man eine kurze Zusammenfassung/Reflektion der Readings an Prof. Celorio schicke. Damit wurde sichergestellt, dass die Texte gelesen wurden, da am Ende des Semesters keine Klausur anstand. Auch in diesem Kurs bot sie Studenten an, zu volunteeren, um ggfs. die Note zu verbessern.

Bewertung: 4/5

Capitol
Capitol

Kurse im Spring Semester (11 Credits)

Legal Research & Writing II (1 Credit, Prof. Hanafi)

Auch diesen Kurs habe ich belegt, um die Voraussetzungen für das NY Bar Exam zu erfüllen. Ich habe mich bewusst erneut für Prof. Hanafi entschieden und fand den Kurs, genauso wie im Semester davor, ziemlich dankbar.

Bewertung: 5/5

Professional Responsibility & Ethics (2 Credits, Prof. Szabo)

Dieser Kurs diente ebenfalls zur Erfüllung der Bar-Exam-Voraussetzungen. Prof. Szabo ist ein älterer, wirklich netter Professor und auch wenn einige Studenten seine Benotung nicht ganz nachvollziehen konnten, fand ich den Kurs dennoch recht interessant und würde ihn auch wieder bei ihm belegen.

Bewertung: 4/5

U.S. Foreign Relations Law (2 Credits, Prof. E. Swaine)

Einer der eher weniger interessanten und trockenen Kursen, dennoch ein sehr netter und hilfsbereiter Professor.

Bewertung: 3/5

Counterterrorism Law (2 Credits, Prof. Petrila)

Prof. Petrila hat früher für die CIA gearbeitet und konnte uns damit aus erster Hand Einblicke in Counterterrorism Law geben. Er schweift gerne auch mal ab, wenn er aus dem Nähkästchen plaudert – bei den Themen ist das aber eigentlich recht interessant. Es gab ein Take Home Exam, welches äußert anspruchsvoll war.

Bewertung: 3/5

5. International Law, Human Rights & Fighting Impunity (1 Credit, Prof. Vlasic)

Diesen Kurs habe ich an der Georgetown University über das Konsortium belegt – diese Möglichkeit sollte man unbedingt wahrnehmen und sich auf einen oder mehrere Kurse bewerben. Ich kann den Kurs nur weiterempfehlen! Man hat keinen Stoff besprochen, sondern Prof. Vlasic hat jede Stunde einen Guest Speaker (z.B. Anwälte, Ambassadors, Militärs) eingeladen, der uns persönlich von seinen Erfahrungen erzählen konnte. Ich fand das unglaublich interessant und praxisnah. Es gab kein Exam, sondern man musste ein 15-seitiges Paper schreiben.

Bewertung: 5/5

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