Best of Both Worlds
Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium (Double Degree Program) an der George Washington University Law School und der Rijksuniversiteit Groningen (2024/2025)
Das Double LL.M. Degree der George Washington University und der Rijksuniversiteit Groningen im Bereich des Energie-, Umwelt- und Klimarechts stellte für mich die perfekte Möglichkeit dar, diese höchstrelevante Thematik aus den Blickwinkeln zweier verschiedener Rechtskulturen kennen zu lernen.
Inhalt
Auswahl des Double-Degree-Programms
Für mich war es seit Schulzeit an ein Traum, in den USA zu studieren. Aufgrund der hohen finanziellen Kosten schien die Erfüllung dieses Traumes jedoch stets ausgeschlossen. Ich entschied mich deshalb vorerst dagegen, mich für einen LL.M. in den USA zu bewerben und beschloss einen LL.M. in Europa anzustreben. Im Rahmen meiner Recherche fand ich heraus, dass die Rijksuniversiteit Groningen (RUG) in den Niederlanden einen Double-LL.M.-Abschluss zusammen mit der George Washington University (GWU) anbot. Dieses Programm bot mir nicht nur die Möglichkeit mein persönliches Interessengebiet des Umwelt- und Energierechts zu vertiefen, sondern hatte ebenfalls den Vorteil, dass sich die finanziellen Kosten für die Absolvierung des LL.M. in den USA nur auf die Hälfte belaufen würden.
Weiterhin sprach es mich an, die Thematik des Umwelt-, Klima- und Energierechts aus zwei verschiedenen Blickwinkeln kennenzulernen und rechtsvergleichend arbeiten zu können, eine Methodik, die in der deutschen juristischen Ausbildung oft zu kurz kommt.
Besonders motivierte mich jedoch auch die Idee, in Washington D.C., der politischen Metropole der USA, studieren und über den Rahmen des LL.M. hinaus einzigartige fachliche und persönliche Erfahrungen machen zu können. Auch das Studium in Groningen sprach mich sehr an. Die Studentenstadt stellt eine der wichtigsten Energieknotenpunkte der Niederlande dar, sodass ich auf praxisnahe Einblicke ins europäische Energierecht hoffte.

Bewerbungsverfahren und Finanzierung
Das Bewerbungsverfahren für das Double LL.M. Degree läuft nicht wie das herkömmliche US-amerikanische Bewerbungsverfahren über die Bewerbungsplattform LSAC ab, sondern die gesammelten Bewerbungsunterlagen werden im Bewerbungsportal der RUG hochgeladen. Die Bewerbungsgebühr für den gesamten Bewerbungsprozess beläuft sich auf 100 €. Zudem muss eine vorherige Registrierung über Studielink erfolgen, das zentrale Online‑Portal für die Einschreibung in Studiengänge an niederländischen Hochschulen.
Bewerbungsvoraussetzungen sind neben guten Studienleistungen, das Einreichen von zwei Empfehlungsschreiben, sowie das Erreichen eines TOEFL-Scores von 100 Punkten, wobei in jedem Teil mindestens 21 Punkte und im writing-Teil mindestens 23 Punkte erreicht werden müssen.
Bewerbungen für das Double LL.M. Degree müssen stets bis zum 1. Mai des Jahres erfolgen, in dem auch das LL.M.-Studium angetreten werden soll, wodurch eine zeitnahe Planung und kurzfristige Entscheidung für das Studium möglich ist.
Die gesammelten Unterlagen werden sodann zunächst der RUG zur Entscheidung vorgelegt. Sobald diese sich für die Vergabe eines Studienplatzes entscheidet, wird die Bewerbung in die USA gesendet, wo eine gesonderte Entscheidung über die Aufnahme in das Double Degree getroffen wird. Die Administration in den USA pflegt die Bewerbung in LSAC ein, sodass man online den Bewerbungsstatus verfolgen kann. Hat die Bewerbung Erfolg, so erhält man von der GWU ein weiteres gesondertes Zulassungsschreiben, welches darüber hinaus auch einen Hinweis über die Verleihung eines möglichen Stipendiums enthält.
Für das Studium an der RUG fällt eine Studiengebühr von 2.695 € an. Die Studiengebühren in den USA betragen insgesamt $ 32.454. Dieser Betrag umfasste auch die universitäre Krankenversicherung. Durch die GWU wurde mir zudem ein merit scholarship in Höhe von $ 7.000 verliehen, welches von den Studiengebühren abgezogen wurde.
In Bezug auf die Finanzierungsfrage sollte man auch die für die Ausstellung des F1-Visums anfallenden Kosten, sowie Flug- und Lebenshaltungskosten vor Ort bedenken, die gerade für eine teure Stadt wie Washington D.C. nicht unerheblich sind.
Studium und Law School
Besonders spannend am Studium im Rahmen des Double Degree war die unterschiedliche Schwerpunktsetzung der beiden Universitäten. Während in den Niederlanden die rechtliche Behandlung von erneuerbarer Energie deutlich priorisiert wurde, legte man in den USA noch immer sehr Wert auf die rechtliche Stellung von fossilen Brennstoffen. Auch der rechtliche Umgang mit der Frage des Klimawandels unterschied sich sehr. Die Relevanz des Studiengangs wurde dann noch durch die politischen Entwicklungen im Rahmen des Präsidentschaftswechsels in den USA bestärkt.

Zeitlich ist das Double LL.M. Degree auf zwei Semester aufgeteilt. Das erste Semester, welches im September beginnt und für Double-LL.M.-Degree-Studierende bereits Ende Dezember endet, wird an der Universität Groningen absolviert.
Dieses ist in zwei Blöcke aufgeteilt. Im ersten Block belegt man die Vorlesungen Energy Law and Policy, sowie Economics of Regulation, eine Vorlesung die interdisziplinäre Einblicke in die Wirtschaftswissenschaften gewährt. Zur selben Zeit beginnt auch ein über das gesamte Semester spannende Seminar in Energy and Climate Law. Im zweiten Block besucht man sodann die Vorlesungen Climate Law und Energy Market Law. Während der Zeit des zweiten Blocks muss zudem bereits ein Thema für die Thesis und ein Thesis-Supervisor gefunden werden.
Insgesamt gestaltet sich das niederländische Studium deutlich verschulter als in Deutschland. Regelmäßige kurze Abgaben während des Semester sind die Norm. Auch das Arbeiten in Gruppen wird hier deutlich priorisiert. Die Kursgrößen sind auf circa 30 Studierende begrenzt, was zum Vorteil hat, dass man nicht nur seine Kommiliton*innen, sondern auch die Dozierenden gut kennenlernt und tolle Kontakte knüpft. Weiterhin besteht die Möglichkeit, an verschiedenen Ausflügen, wie zu einem Energienetzbetreiber, teilzunehmen.
Mit Einstieg in die Winterferien in Groningen steht für die Double-LL.M.-Studierenden der Umzug in die USA an. Die ersten Veranstaltungen haben dort am 4. Januar begonnen, sodass ich bereits am 1. Januar in die USA gereist bin, um ohne Jetlag in den Unialltag einzusteigen. An der GWU ist man ein wenig freier in der Auswahl seiner Kurse. Pflichtkurs für deutsche Studierende ist jedoch stets Fundamental Issues in US Law. Weitere Kurse, die ich belegt hatte, waren Energy Law and Regulation, Oil & Gas Law, Air Pollution Control und Law of Emergencies. Zudem muss ein Thesis-Kurs absolviert werden, der bei der Erstellung der Thesis unterstützen soll.

Der Unterricht in den USA unterscheidet sich wiederum sehr von den niederländischen Vorlesungen. Abgaben während des Semesters sind die Ausnahme, dafür ist der Vorbereitungsaufwand im Hinblick auf das Lesen und Vorbereiten von Fällen umso größer. Auch die GWU bietet den Studierenden eine Vielzahl von Möglichkeiten an Vorträgen, Tagungen oder Ausflügen teilzunehmen. So wurde mir beispielsweise die Chance geboten, zu einer Offshore-Wind-Konferenz nach New Orleans zu reisen, was definitiv ein Highlight meines Aufenthalts war.
Die Abschlussprüfungen für die einzelnen Vorlesungen können aus einer Hausarbeit, oder aus Klausuren bestehen, die entweder am Laptop zu Hause geschrieben werden oder digital vor Ort in der Law School. Die Klausuren können sowohl Multiple-Choice, als auch Lückentexte und Kurz-Essay-Aufgaben enthalten.
Kurz nach Ende der Klausurenphase in den USA muss bereits der erste Thesis-Entwurf an beiden Universitäten eingereicht werden. Man sollte also versuchen, bereits vor der Klausurenphase genügend Zeit auf die Thesis zu verwenden, zumal die Arbeit einen Umfang von etwa 10.000 bis 11.000 Wörtern haben soll.
Krönender Abschluss des Studiums in den USA ist auf jeden Fall die Abschlussfeier, welche direkt unterhalb des Washington Monuments vor dem Weißen Haus stattfindet.

Nach der Abschlussfeier kann die Rückreise nach Deutschland oder die Niederlande erfolgen. Alternativ kann man sich auch dafür entscheiden, die Thesis in den USA zu beenden.
Die Abschlussfeier in Groningen findet sodann im August als Ende der LL.M.-Reise statt. Besonders toll ist es, dass man im Rahmen dieser Feier nach vorne gebeten wird und durch eine kurze Rede des eigenen Thesis-Supervisors geehrt wird.

Vor Ort in Washington D.C. und Groningen
Washington D.C. und Groningen könnten wohl nicht unterschiedlicher sein. Trotzdem habe ich mich in beiden Städten unglaublich wohlgefühlt und konnte beide mein Zuhause nennen.
Groningen ist zwar eine eher kleine Stadt, langweilig wird es deshalb aber nie. Die Vielzahl an Grünflächen und Grachten lädt zu langen Spaziergängen und Fahrradtouren ein. Ohne Fahrrad geht es in Groningen kaum! Doch auch die Restaurant- und Barkultur lässt nicht zu wünschen übrig. Als besonders tolles Erlebnis sind mir die Weihnachtsmärkte in Erinnerung geblieben.

Da Wohnraum in Groningen stark nachgefragt ist, empfiehlt es sich, möglichst früh mit der Wohnungssuche zu beginnen. Ich selbst habe während des Semesters in einer WG mit anderen internationalen Studierenden gewohnt.
Der einzige Nachteil daran, das Wintersemester in Groningen zu verbringen ist das Wetter. Man sollte sich auf jeden Fall eine gute Regenjacke und warme Anziehsachen zulegen, um den Winterstürmen zu trotzen.
Im Gegensatz zu diesem Kleinstadtflair steht Washington D.C. Eine der größten Metropolen in den USA, die gleichzeitig das Machtzentrum des Landes darstellt und von Üppigkeit nur so protzt. Entlang der National Mall ziehen sich die Smithsonian-Museen, die ohne Ausnahme alle einen Besuch wert sind, sowie die symbolträchtigen Regierungsgebäude und Denkmäler wie das Weiße Haus, das Kapitol oder das Lincoln Memorial.

Die ersten Tage in den USA habe ich vor allem mit langen Spaziergängen verbracht, um die ganze Stadt kennenzulernen. Auf keinen Fall verpassen sollte man einen Besuch des National Museum of African American History and Culture sowie eine Führung durch das Kapitol.

Gewohnt habe ich im International Student House (ISH), das Wohnmöglichkeiten für internationale Studierende, Forschende und Praktikant*innen bietet. Neben der Bereitstellung von Wohnraum und Verpflegung zeichnet das ISH seine einzigartige Gemeinschaft aus. Ich war tagtäglich von Menschen aus aller Welt umgeben, die in den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern arbeiteten oder studierten, was zur Knüpfung von einzigartigen Kontakten und engen Freundschaften führte. Auch das Angebot von fast wöchentlich stattfindenden Events mit Speakern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft stellt ein Alleinstellungsmerkmal dar, sodass ich es jedem nur ans Herz legen kann, dort während des Studienaufenthaltes zu wohnen.
In Washington D.C. gibt es immer etwas zu tun, ob es der Besuch eines Basketballspiels, eines der vielen Museen oder ein Ausflug nach Alexandria ist. Gleichzeitig besteht gute Anbindung an drei Flughäfen und das Amtrak-Bahnnetz, was die perfekte Möglichkeit bietet, während des Springbreaks oder über ein langes Wochenende andere Teile der USA kennenzulernen. So unternahm ich beispielsweise Kurztrips nach New York, Nashville, in den Shenandoah National Park oder auch nach Miami, um das Meiste aus meiner Zeit in den USA herauszuholen.
Zusammenfassung
Zusammenfassend kann ich das Double LL.M. Degree vollumfänglich an alle diejenigen weiterempfehlen, die sich für die Thematik des Energie-, Klima- und Umweltrechts begeistern und verschiedene Blickwinkel und Herangehensweisen in einem rechtsvergleichenden Rahmen kennenlernen und vertiefen möchten. Für mich stellte das LL.M.-Jahr eine der wohl tollsten und schönsten bisherigen Lebensabschnitt dar.
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