Home | LL.M.-Erfahrungsberichte Florian Werkmeister: King's College London The Dickson Poon School of Law (2024/2025)

Ein Jahr zwischen Themse, Tech Law und Afternoon Tea

Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der King's College London The Dickson Poon School of Law (2024/2025)

Veröffentlicht am 7.7.2026

Florian Werkmeister, LL.M. (London)

Rechtsanwalt bei Morrison Foerster in Berlin

Für mich stand eigentlich immer fest, dass ich einen LL.M. machen wollte. Ich wollte schon früh international arbeiten, und ein Auslandsmaster war ein wichtiger Schritt dafür. Die Frage war nur, wo. Ich hatte mich intensiv mit verschiedenen Universitäten und Städten auseinandergesetzt und mich am Ende für London und das King’s College entschieden. Rückblickend war es eines der besten Jahre meiner gesamten Ausbildung – nicht nur fachlich, sondern vor allem auch menschlich.

Inhalt

Wann und warum ein LL.M.?

Ich hatte schon früh erkannt, dass mir die Arbeit im internationalen Umfeld und insbesondere im IT- & IP-Bereich großen Spaß macht. Bereits im Studium hatte ich darin meinen Schwerpunkt gewählt und einen LL.B. mit entsprechender Spezialisierung und mit Aufenthalt in Japan abgeschlossen. Zudem hielt ich gerade im IT- und IP-Recht eine weitere Vertiefung durch einen LL.M. für besonders wertvoll, weil sie eine sehr gute Grundlage schafft, um im Anschluss als Anwalt in diesem Bereich zu arbeiten.

Hinsichtlich des Zeitpunkts des Masters glaube ich nicht, dass es eine richtige oder falsche Entscheidung gibt, also ob man den LL.M. vor oder nach dem zweiten Examen macht. Beides hat Vor- und Nachteile. Für mich persönlich war es aber ein sehr angenehmes Gefühl, das zweite Examen bereits in der Tasche zu haben. So konnte ich das Jahr nicht als weitere Prüfungsetappe sehen, sondern als das, was es für mich sein sollte: eine Kombination aus fachlicher Vertiefung und internationaler Erfahrung. Gleichzeitig konnte ich die Zeit während des Masters nutzen, um mich auf den Berufseinstieg vorzubereiten und Bewerbungen anzugehen.

Warum King’s College London?

Rückblickend war das King’s College London für mich die absolut richtige Wahl. Natürlich sind auch die anderen Londoner Universitäten hervorragend, jede mit etwas anderem Schwerpunkt. Für mich war aber vor allem die große Auswahl an Veranstaltungen im Bereich Technology, AI, Data Protection und IP entscheidend. Unter anderem konnte ich Module wie Cyberspace Law, AI Law und Trade Mark Law belegen. Auch die Lage mitten in London war ein großer Pluspunkt. Der Strand Campus liegt direkt an der Themse, nur wenige Schritte von der Waterloo Bridge, den Royal Courts of Justice und Covent Garden entfernt – man ist vom ersten Tag an mittendrin im Herzen der Stadt.

Der Strand Campus am King’s College
Der Strand Campus am King’s College

Bewerbung und Unterkunft

Die Bewerbung selbst war aus meiner Sicht gut machbar. Die Website von King’s gibt die Voraussetzungen und Fristen übersichtlich wieder. Ich habe mich allerdings recht spät im März beworben und die Zusage kam erst im Juli. Meine Empfehlung wäre daher, so früh wie möglich anzufangen. Gerade Sprachtest, Visum und Unterkunft sollte man möglichst früh angehen. Das nimmt viel Druck aus dem Prozess.

Während des Studiums habe ich in einem Studentenwohnheim in Vauxhall gewohnt, das über die Universität vermittelt wurde. Die Unterkunft war für deutsche Verhältnisse recht teuer, aber modern, gut gelegen und ich hatte einen phänomenalen Blick auf die Themse und Westminster. Außerdem kommt man in einem Wohnheim schnell mit anderen Studierenden in Kontakt, auch aus ganz anderen Fachrichtungen. Trotzdem würde ich dringend empfehlen, bei der Auswahl genau hinzusehen. Die Unterschiede zwischen den Unterkünften sind groß, und der Preis sagt nicht immer etwas über die Qualität aus. Internet-Rezensionen lesen lohnt sich hier wirklich.

Blick vom eigenen Zimmer in Vauxhall auf die Themse
Blick vom eigenen Zimmer in Vauxhall auf die Themse

Studium und akademische Erfahrungen

Fachlich war der LL.M. für mich vor allem wegen der internationalen Perspektive wertvoll. Britische Studierende machen ihren LL.M. zwar häufig außerhalb des Vereinigten Königreichs, dafür kommen Studierende aus aller Welt nach London – eine Vielfalt, wie man sie wohl an kaum einem anderen Standort findet. Dadurch diskutiert man sehr schnell mit Menschen, die völlig andere juristische Hintergründe haben. Gerade im deutschen Studium ist man stark auf ein System geprägt. Das hat große Vorteile, weil die Ausbildung sehr strukturiert und präzise ist. In London merkt man aber schnell, dass dieselbe Rechtsfrage in anderen Jurisdiktionen ganz anders gedacht wird.

Das hilft heute unmittelbar in meiner Arbeit im internationalen Technologie- und Transaktionsumfeld. Wenn man internationale Mandanten berät, geht es nicht nur darum, deutsches oder europäisches Recht richtig anzuwenden. Man muss auch erklären können, warum ein bestimmtes Konzept aus deutscher oder europäischer Sicht anders funktioniert als aus Sicht des Mandanten. Dieser Perspektivwechsel war für mich einer der größten Gewinne des Jahres.

Das Studium selbst war nach den beiden Staatsexamina gut machbar. Es gab viele Essays und Open-Book-Klausuren, häufig digital und teilweise im 24-Stunden-Format. Das klingt zunächst entspannt, ist aber nicht völlig ohne Druck, weil sich die Prüfung über einen ganzen Tag erstreckt und man die Zeit natürlich auch ausnutzen möchte. Insgesamt empfand ich das Studium als fair und gut organisiert. Gerade wer das deutsche Examen hinter sich hat, wird den Arbeitsaufwand wahrscheinlich als sehr gut machbar empfinden.

Auch die Masterarbeit war gut betreut. Das Thema konnte ich frei wählen und habe über das EU-US Data Privacy Framework und den Angemessenheitsmechanismus der DSGVO geschrieben. Das hat es mir erlaubt, mich über den europäischen und britischen Rechtsrahmen hinaus auch verstärkt mit dem US-amerikanischen Recht auseinanderzusetzen. Besonders positiv war der enge Austausch mit den Professoren, die regelmäßige 1:1-Sessions anboten und ein echtes Interesse an der persönlichen Entwicklung der Studierenden zeigten. Es ist insgesamt verschulter als das deutsche Studium, aber gerade bei einem einjährigen Auslandsstudium fand ich das eher hilfreich.

Die Maughan Library vom KCL
Die Maughan Library vom KCL

Karriere und internationale Perspektive

Für Bewerber mit Interesse an internationalen Großkanzleien ist ein LL.M. in London aus meiner Sicht besonders spannend. Zum einen wird ein Auslandsmaster nach wie vor geschätzt. Zum anderen bereitet einen das Jahr tatsächlich auf ein internationales Arbeitsumfeld vor. Man verbessert sein Englisch sehr schnell, lernt juristisch in einer anderen Sprache zu argumentieren und bekommt ein besseres Gefühl dafür, wie internationale Teams denken und arbeiten. London bietet zudem durch die Dichte an internationalen Kanzleien, Unternehmen und Veranstaltungen viele Möglichkeiten, unterschiedliche Karrierewege kennenzulernen.

Blick von der Dachterrasse des Bush House
Blick von der Dachterrasse des Bush House

Leben in London

Was ich vorher unterschätzt habe, war das Leben außerhalb der Universität. King’s hat eine enorme Zahl an Societies. Ich war unter anderem in der Postgraduate Law Society aktiv und habe dort mit anderen den Abschlussball organisiert. Das hat sehr verbunden. Daneben war ich bei Veranstaltungen der Japan Society und bin mit der Surf Society nach Portugal geflogen, wo ich tatsächlich Surfen gelernt habe. Dazu kamen Tennis, Rudern auf der Themse, Reiten in Wimbledon und unzählige tolle Pub-Abende und Themsen-Fahrten, die von Societies organisiert wurden.

Blick vom Horizon 22
Blick vom Horizon 22

Die größte Überraschung war für mich, wie schnell man Anschluss findet. Am Anfang kennt man niemanden, wenige Wochen später hat man Freunde auf der ganzen Welt. Auch das Englisch verbessert sich fast automatisch, weil man ständig spricht, schreibt und diskutiert.

Darüber hinaus hat London selbst jeden Tag etwas Neues zu bieten. Die Stadt ist voll von großartigen Bars, Restaurants, Parks und Ausflugsmöglichkeiten. Dazu kommen weltbekannte Musicals und Theaterstücke, Comedy Shows in kleinen Clubs, beeindruckende Museen wie das British Museum, das V&A oder die Tate Modern – und an jeder Ecke spürt man die Geschichte der Stadt. Langweilig wird es wirklich nicht.

Kosten

Der größte Nachteil ist klar: London ist teuer. Sehr teuer. Die Studiengebühren für internationale Studierende am King’s College betragen £38.300 für das gesamte Jahr. Dazu kommen Unterkunft, öffentlicher Nahverkehr, Krankenversicherung und allgemeine Lebenshaltungskosten. Wer über die Universität eine Studentenunterkunft bucht, zahlt ca. £300 bis £400 pro Woche – WGs können da häufig eine günstigere Alternative sein. Zusammen mit dem bisweilen starken britischen Pfund summiert sich das schnell. Ich würde für das Jahr eher großzügig planen und unbedingt einen Puffer einrechnen, um London auch von seinen zahlreichen Facetten kennenlernen zu können.

Wer die Möglichkeit hat, kann sich auch nach Nebenjobs, Stellen an Lehrstühlen oder Tätigkeiten in Kanzleien mit UK-Standort umsehen. Ganz ehrlich: Man muss es sich leisten können. Wenn es finanziell möglich ist, halte ich das Jahr aber für sehr gut investiertes Geld.

Das Bush House im Herzen von London
Das Bush House im Herzen von London

Fazit

Würde ich King’s wieder wählen? Ja. Wegen der fachlichen Ausrichtung, wegen London und wegen der vielen Freundschaften, die ich dort geschlossen habe und die ich heute nicht mehr missen möchte. Rückblickend war es eine der besten Entscheidungen meiner Ausbildung. Nicht nur, weil es beruflich hilfreich war, sondern weil dieses Jahr fachlich, persönlich und menschlich unglaublich viel angestoßen hat – von einem tieferen Verständnis für andere Rechtssysteme über Freundschaften auf der ganzen Welt bis hin zu einem ganz neuen Blick auf die eigene Karriere und das Leben.

Mein Rat wäre daher: früh bewerben, Unterkunft sehr sorgfältig auswählen, möglichst viele Veranstaltungen und Societies mitnehmen und London nicht nur als Studienort verstehen.

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