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Niederlande – eine echte Alternative zu den USA?

Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der Universiteit Leiden (2025/2026)

Veröffentlicht am 24.1.2026
Justus Norman Lorenz, LL.M. (Leiden)

Als ich im Jahr 2023 auf „LL.M. Essentials“ aufmerksam wurde und die LL.M. – Messe von „e-fellows” in München besuchte, war die Begeisterung für ein Studium in den USA geweckt. Doch es bieten sich auch Möglichkeiten in den Niederlanden, insbesondere wenn man sich im Bereich des Public International Law (Völkerrecht) spezialisieren will.

Inhalt

Auswahl der Universität Leiden, Niederlande

Nach Abschluss meines ersten Staatsexamens in Bochum war mir klar, dass ich vor dem Beginn des Referendariats meine doch sehr auf Deutschland begrenzten Rechtskenntnisse international ausweiten möchte. Ich hatte bereits erste Erfahrungen im Völkerrecht und Europarecht in meinem Schwerpunkt des Staatsexamens sammeln können. Um daran noch weiter anzuknüpfen recherchierte ich zunächst, welche Möglichkeiten sich in den USA bieten. Ich kam schnell zu dem Schluss, dass zum einen der finanzielle Aspekt (allein die Studiengebühren im Bereich 70.000 Dollar) an meinem Wunschort San Francisco selbst nach einer möglichen Reduktion der Kosten durch ein Stipendium eher ernüchternd sind. Auch angesichts der politischen Situation entschied ich mich dann für ein Studium in den Niederlanden.

Die Law School in Leiden verfügt über einen herausragenden Ruf im Bereich des Public International Law. Dies zeigt sich sowohl bei der Expertise der Professoren, als auch der Nähe zu den internationalen Gerichtshöfen in Den Haag. Da es kein entsprechendes Programm in Den Haag gibt, ist Leiden hier besonders attraktiv. Meine Entscheidung war dann schnell getroffen.

International Court of Justice in Den Haag
International Court of Justice in Den Haag

Bewerbungsprozess und Finanzen

Die Bewerbung lief relativ unkompliziert über das zentrale niederländische Bewerbungsportal „Studielink“, wo die Unterlagen eingereicht werden müssen. Es ist besonders ratsam, die beglaubigte Kopie des Staatsexamenszeugnisses rechtzeitig einzusenden oder zur Not vor Ort abzugeben. Bei mir gab es Probleme auf dem Postweg und es sind strikte Fristen zu beachten. Wenn die bürokratischen Hürden jedoch gemeistert wurden, ist der weitere Prozess unproblematisch.

Finanziell sind die Studiengebühren im Vergleich zu den USA nahezu vernachlässigbar. In Leiden belaufen sich die Studiengebühren aktuell auf 2.601 € für EU-Bürger pro Jahr. Größere Kosten und Hindernisse bereitet aber die Anmietung eines WG-Zimmers oder einer Wohnung. Hier ist eine Miete über 1.000 € für ein kleines Zimmer in zentraler Lage in Leiden nicht unüblich. Es werden auch Wohnungen von der Universität direkt angeboten (DUWO), dies wird aber nicht der enormen Zahl an Anfragen gerecht. Daher ist zumeist Eigeninitiative auf einschlägigen Wohnungssuch-Portalen gefragt. Von den Lebenshaltungskosten ist Leiden gut mit Amsterdam vergleichbar, insgesamt sind diese damit leicht erhöht im Vergleich zu Deutschland. Von einem Stipendium habe ich nicht profitiert und konkrete, von der Universität Leiden finanzierte Stipendien in diesem LL.M.-Programm sind mir nicht bekannt.

Aufbau des Programmes und Prüfungen

Das von mir belegte LL.M. – Programm Public International Law Regular, ist auf ein Jahr ausgelegt. Es beginnt regulär im September jeden Jahres und endet im August des darauffolgenden Jahres. Aufgrund meines Abschlusses des Staatsexamens im Winter 2024 entschied ich mich für den eher unüblichen Einstieg im Februar. Das Programm endet dann im Januar des darauffolgenden Jahres. Insgesamt kann ich keinen Nachteil daraus feststellen, dass ich zum Februar, und nicht zum September (wie ca. 80 % der Studierenden) begonnen habe. Die Vorlesungen, Arbeitsgemeinschaften und Seminare werden vollständig auf Englisch gehalten. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die rund 200 Studenten des Programms aus über 45 Nationen kommen. Dabei sind der europäische und der asiatische Raum überwiegend.

Belegt werden müssen Pflichtkurse wie „Einführung Public International Law“, „Human Rights“, „International Organisations“ und „International Criminal Law“. Eine Wahlmöglichkeit besteht nur im Bereich des Seminars, was über einen Zeitraum von 2 Monaten läuft. Ich entschied mich für „Climate Litigation/Environmental Law“. Dies war sehr interessant, da neben den insgesamt im Programm anzufertigenden 5 Klausuren auch schriftliche Ausarbeitungen und Präsentationen benotet werden. Das Seminar hat hier den praktischen Teil abgedeckt, welcher auch in einer mündlichen Prüfung bestand. Hier kam man mit Kommilitonen auf einer wissenschaftlichen Ebene ins Gespräch.

Darüber hinaus bietet die juristische Fakultät in Leiden viele weitere „Regular LL.M.“-Programme an, z.B. „Criminal Law and Criminology“ und auch „European Law“. Für Juristen mit Berufserfahrung bieten sich die „Advanced LL.M.“-Programme an.

Die Begeisterung für Leiden an sich

Die Universität Leiden ist die älteste und renommierteste Universität der Niederlande und wird weltweit immer wieder oben in Rankings aufgeführt. Die Law School bietet herausragende Räumlichkeiten. Das Gebäude wurde erst vor einigen Jahrzehnten zur Law School umgebaut und zuvor unterrichtete u.A. Albert Einstein in diesen Hörsälen.

Juristische Bibliothek
Juristische Bibliothek

Nicht nur die Universität, sondern auch die Stadt Leiden hat einen ganz besonderen Charme. Sie ist im Vergleich zu Amsterdam nicht zu touristisch, bietet aber trotzdem ein tolles Studentenleben mit unzähligen Bars.

Insbesondere der warme Empfang in der „OWL Week“, der Einführungswoche, im Januar 2025 hat mir einen guten Einstieg und viele, bis heute tragende, Freundschaften beschert. Dies hat mich auch dazu verleitet, die Einführungswoche im August 2025 als guide mit zu organisieren.

Besondere Events im Jahr sind zum einen der Kings day im April und Leiden Ontzet im Oktober, welche als generelle Feiertage gelten. Dabei wird die ganze Stadt in ein buntes Festival verwandelt. Diese Events machen das Jahr in Leiden unvergesslich.

Innenstadt Leiden
Innenstadt Leiden

Holland und Umgebung

Leiden liegt im Dreieck zwischen Amsterdam, Den Haag und Rotterdam in Süd-Holland. Um an Wochenenden eine kleine Auszeit vom doch anspruchsvollen Studium zu nehmen sind wir oft in die umliegenden Städte gefahren. Von Leiden aus sind es zudem nur 30 Minuten mit dem Fahrrad nach Katwijk zum Strand. Sehr zu empfehlen. Zudem wurden von der Law School Exkursionen zu umliegenden internationalen Gerichtshöfen oder auch zur EU nach Brüssel organisiert. All dies ist sehr gut mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar. Deutschland ist auch zügig mittels Zug zu erreichen. Vorrangig bleibt aber das traditionelle Fortbewegungsmittel, das Hollandrad.

Strand Katwijk
Strand Katwijk

Fazit

Ich habe eine sehr inspirierende und lehrreiche Zeit in Leiden verbringen dürfen. Rückblickend sehe ich es als richtige Entscheidung, mich für die Niederlande und nicht für die USA entschieden zu haben. Dies mag zum großen Teil an den Kosten, aber auch an meinem Fachbereich Völkerrecht liegen. Vor Beginn des Programms hätte ich mir nicht vorstellen können, wie dieses Programm meinen Horizont erweitert und wie hilfreich dies für das Knüpfen von internationalen Kontakten ist. Meinerseits eine uneingeschränkte Empfehlung.

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