Ein Jahr am Lake Michigan
Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der Loyola University Chicago School of Law (2022/2023)
Hallo zusammen,
das Wichtigste zuerst: ein LL.M.-Studium an der Loyola University Chicago School of Law kann ich auf jeden Fall nur empfehlen! Das LL.M.-Studium in Chicago war eine großartige Erfahrung und sowohl in fachlicher als auch persönlicher Hinsicht ein unglaublich ereignisreiches und bereicherndes Jahr.
Hier ein paar Tipps und Informationen zu der Vorbereitung und dem Ablauf des Studiums:
Inhalt
Planung
Ich habe mir zum ersten Mal zu Beginn der Examensvorbereitung Gedanken über ein LL.M.-Studium gemacht. So richtig habe ich aber erst nach der schriftlichen Prüfung mit der Planung angefangen (ca. 9 Monate vor Beginn des Studiums in Chicago). Für eine Bewerbung an der Loyola muss man einen gültigen TOEFL-Test, ein Empfehlungsschreiben des Fachbereichs der Universität Konstanz, ein Motivationsschreiben, einen aktuellen Lebenslauf und das Zeugnis der Ersten Juristischen Prüfung vorweisen. Aufgrund der Kooperation zwischen der Universität Konstanz und der Loyola University Chicago konnte ich mich auf einen Studiengebührenerlass von 50 % bewerben.
Ich habe den TOEFL-Test ca. 8 Monate vor Beginn des LL.M. abgelegt. Das muss man nicht unbedingt so früh machen – ich persönlich wollte das allerdings vor den mündlichen Prüfungen erledigt haben. Gleichzeitig habe ich mich auch beim Fachbereich Rechtswissenschaft um das notwendige Empfehlungsschreiben beworben. Dies lief sehr einfach und unkompliziert über das International Office des Fachbereichs ab. Allgemein kann man sich jederzeit mit Fragen bzgl. der Bewerbung und der Planung an den Fachbereich wenden und wird in jederlei Hinsicht sehr unterstützt.

Bewerbung
Man kann sich auf das LL.M.-Studium an der Loyola sowohl für einen Start im Wintersemester (Mitte August) als auch im Sommersemester (Januar) bewerben. Ich würde (wenn organisatorisch und persönlich möglich) einen Studienstart im August empfehlen. Chicago ist zu jeder Jahreszeit wunderschön, allerdings ist ein Start im Sommer meines Erachtens besser. Chicago bietet im Sommer sehr viel Freizeitprogramm (Konzerte im Park, Veranstaltungen am Lake Michigan, Bootstouren, Baseballspiele und vieles mehr) und das warme Wetter zieht sich bis in den Oktober hinein.
Ich habe mich an der Loyola University im März (ca. 5 Monate vor Beginn des Studiums im August) beworben. Der Bewerbungsablauf gestaltet sich mit der Hilfe von Frau Insa Blanke von der Loyola University School of Law sehr einfach und unkompliziert. Frau Blanke ist deutschsprachig und bereits seit langer Zeit für das LL.M.-Programm an der Loyola verantwortlich. Man kann sich jederzeit mit Fragen bzgl. der Bewerbung, des Studiums und des Lebens in Chicago an sie wenden. Dies hat den Bewerbungsprozess sehr erleichtert. Die „tuition reduction“ i.H.v. 50 % ist ein weiterer Vorteil an einem LL.M.-Studium an der Loyola. Ein Studienkostenerlass in dieser Höhe ist eine Besonderheit und erleichtert die Finanzierung enorm.

Visum
Nach der Zusage habe ich mich ca. 3 Monate vor der Abreise auf ein Visum beworben. Für das LL.M.-Studium in den USA ist ein F-1 Visum notwendig. Den Antrag für das Visum kann man online einreichen und im Anschluss muss man ggf. noch für ein Interview beim Konsulat in München/Frankfurt oder in der Botschaft in Berlin erscheinen. Die Visumsgebühren belaufen sich auf ca. 450 € und man erhält das Visum in der Regel innerhalb von ein paar Wochen.
Wohnung
Der Wohnungsmarkt ist in Chicago im Vergleich zu anderen amerikanischen Großstädten gut und verhältnismäßig bezahlbar. Die Loyola bietet auch für LL.M.-Studenten die Möglichkeit an, im Studentenwohnheim zu wohnen. Das Wohnheim der Law School ist sehr praktisch gegenüber der Law School in der Gold Coast (einem sehr schönen Teil von Downtown Chicago) gelegen. Die monatliche Miete für ein Zimmer in einer WG im Wohnheim ist aufgrund der Top-Lage recht teuer. Das Wohnheim hat aber den Vorteil, dass man sich nicht auf Wohnungssuche begeben muss.
Ich habe mich für die kostengünstigere Variante entschieden und habe über Facebook eine private WG gesucht. Ich habe die WG bereits vor meiner Abreise gefunden und bin dann zwei Wochen vor Beginn des Studiums angereist, um die Wohnung zu besichtigen. Ich habe etwas außerhalb in der Nähe des Hauptcampus der Loyola im Norden der Stadt in Edgewater gewohnt und dort weniger Miete (ca. 500 $) für ein Zimmer in einer WG gezahlt. Auch wenn man weiter weg wohnt, hat man es von einer Wohnung entlang der Red, Purple oder Brown Line im Norden der Stadt nie zu weit.

Chicago
Chicago ist eine wunderschöne Stadt, die für jeden was zu bieten hat. Dank des guten öffentlichen Nahverkehrs und der Lage der Stadt entlang des Lake Michigan, kann man die Stadt schnell überblicken und sich zurechtfinden. Die Stadt ist weltberühmt für ihre Architektur und Wolkenkratzer und wegen des Sees, des Chicago River und der vielen Parks ist sie auch sehr grün. Es gibt unfassbar viele Restaurants, Bars und Clubs, sodass auch das Studentenleben nicht zu kurz kommt. Man kann jedes Wochenende ein anderes Museum oder eine Theater- oder Musicalvorstellung besuchen. Auch gibt es Baseball-, Football oder Basketballspiele, welche man sich in den großen Stadien anschauen kann. Im Winter kann man an Halloween, Thanksgiving und in der Vorweihnachtszeit viel von der amerikanischen Kultur erleben. Die Menschen im Midwest der USA sind bekannt dafür, dass sie sehr nett und herzlich sind, und dies merkt man sowohl in der Uni als auch in der Stadt.

Studium
Man kann sich die Kurse an der Law School weitestgehend selbst aussuchen. Im Vorfeld kann man sich auf einen von zwei Tracks bewerben: International Law oder US Law. Der LL.M. in US Law dient der Vorbereitung auf das Bar Exam, welches man bei der richtigen Kurswahl nach Abschluss des LL.M. auch ablegen kann. Auch hier kann man aber jederzeit Frau Blanke bzgl. der richtigen Kurswahl und der Voraussetzungen für das Bar Exam kontaktieren.
Für beide Tracks sind zwei Vorlesungen Pflicht: Introduction to US Law und Legal Writing. Die restlichen Kurse kann man sich selbst zusammenstellen und evtl. auch einen Schwerpunkt (z.B. Arbitration oder Human Rights) wählen. Das fand ich persönlich großartig, zumal ich mir meine Kurse nach meinem Interesse zusammenstellen konnte. Die beiden Pflichtkurse besucht man mit den anderen LL.M.-Studenten zusammen und die restlichen Kurse mit den amerikanischen J.D.-Studenten. So lernt man eine andere Form des Unterrichts kennen und tritt auch direkt mir den amerikanischen Studenten in Kontakt.
Die Vorlesungen sind wesentlich interaktiver als die Vorlesungen an den deutschen Universitäten. Die meisten Vorlesungen sind Seminare, in denen immer ein aktiver Austausch und eine Diskussion stattfindet. Einige Kurse werden mit einer Klausur abgeschlossen, andere Professoren bevorzugen ein Paper am Ende des Semesters. Diese sind allerdings alle gut zu bewältigen und helfen auch sehr bei der Verbesserung der englischen Schreibfähigkeiten.

Abschluss
Für den Abschluss des LL.M. muss man 24 Credits erhalten. Eine Masterarbeit muss man nicht schreiben. Ich habe die 24 Credits auf jeweils 12 Credits pro Semester aufgeteilt und fand das einen guten Ausgleich. Bei einem Studienstart im August ist man Anfang Mai fertig mit den Prüfungen und hat im Anschluss die Graduation Mitte Mai. Diese ist auch ein besonderes Erlebnis, da sie mit einer großen Zeremonie auf dem Hauptcampus einhergeht.
Reisen
Der LL.M. in den USA ist eine einzigartige Möglichkeit, das Land zu erkunden. Chicago ist dafür ideal, zumal die Stadt ein wichtiger Flugverkehrsknotenpunkt ist und fast alle Städte direkt und ziemlich günstig angeflogen werden können. Ich hatte die Möglichkeit zweimal nach Kalifornien zu fliegen, war in der Vorweihnachtszeit mit Freunden in New York City und während der Spring Break mit Freunden aus dem LL.M.-Programm in New Orleans. Im Anschluss an den LL.M. habe ich mir dann noch den Traum von einer Reise nach Alaska und Hawaii verwirklichen können, was aufgrund der kürzeren Reisedauer und preiswerten Flüge aus Chicago möglich war.

Fazit
Zusammenfassend muss ich sagen, dass der LL.M. an der Loyola University meine Erwartungen in jederlei Hinsicht bei weitem übertroffen hat. Ich habe nicht nur eine zusätzliche juristische Qualifikation erworben, sondern auch Freundschaften fürs Leben geschlossen und wunderschöne Orte bereist. Ich habe jeden Tag an der Uni und in der Stadt genossen und habe viele neue Eindrücke und schöne Erinnerungen gesammelt.
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