Ein LL.M. mitten in der Wonder City
Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der New York University School of Law (2024/2025)
Ein LL.M.-Studium an einer US-amerikanischen Universität zählt zu den großen Träumen vieler Juristen rund um den Globus. Doch bis aus diesem Traum Wirklichkeit wird, braucht es viel Anstrengung, einen Plan und das nötige Quäntchen Glück. Für mich begann der Zauber in jenem Moment, als ich nach dem zweiten Staatsexamen und der Promotion mit einem Koffer voller Erwartungen und dem Gefühl, an der Schwelle zu einem neuen Kapitel zu stehen, am JFK-Flughafen in New York landete.
Inhalt
Planung und Finanzierung des Studiums
So unterschiedlich wie die Lebensläufe der Studierenden sind auch ihre Beweggründe für den Zeitpunkt eines LL.M.-Studiums. Ich entschied mich dafür nach Abschluss meiner Promotion und dem zweiten Staatsexamen und war damit keineswegs allein unter meinen Kommilitonen. Der Wunsch reifte während meiner Promotionszeit, als ich über einen Forschungsaufenthalt in den USA nachdachte. Letztlich verwarf ich diese Idee und entschied mich stattdessen für einen LL.M. nach Abschluss der Promotion.
Meine Wunschuniversitäten waren schnell ausgewählt: Eine renommierte Law School mit Schwerpunkt im International Law an der Ostküste sollte es werden. Die Bewerbung lief über die zentrale Plattform LSAC. Es dauerte einige Wochen, bis alle Motivationsschreiben und Zeugnisse den formalen Anforderungen entsprachen und in den USA eingegangen waren.
Tipp: Es empfiehlt sich, früh mit der Bewerbung zu beginnen und die formalen Anforderungen genau einzuhalten. Auch Erasmus-Aufenthalte und laufende Promotionen müssen bei LSAC angegeben werden. Die entsprechenden Bestätigungen müssen von den jeweiligen Universitäten per Post verschickt werden.
Die Frage der Finanzierung stellte sich als eine der zeitintensivsten und zugleich herausforderndsten Aufgaben heraus. Ohne Stipendien muss, insbesondere an der Ostküste der USA, mit Kosten von rund 120.000 USD gerechnet werden. Vor diesem Hintergrund bewarb ich mich für alle mir offenstehenden Stipendien.
Tipp: Sinnvoll ist es, mindestens zwölf Monate vor Studienbeginn mit der Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen für Stipendien zu beginnen, da einige Fristen früh enden. Zu beachten ist auch, dass viele Stipendien nur innerhalb weniger Jahre nach dem ersten Staatsexamen beantragt werden können.
Die Konkurrenz um die Stipendien ist groß. Das Bewerbungsverfahren zeigte eindrucksvoll, wie viele hochqualifizierte und engagierte junge deutsche Juristen in die USA streben. Nach fristgerechter Einreichung der Unterlagen folgt oft monatelanges Warten. Einige Bewerber werden zur zweiten Runde eingeladen, die in der Regel ein Auswahlgespräch oder -seminar umfasst. Anschließend erfolgt eine weitere Auswahl. Eine erste Absage nach dem Auswahlseminar eines Stipendiengebers, rund fünf Monate vor Beginn des LL.M., ließ Zweifel an der Finanzierung meines Vorhabens aufkommen. Etwa zwei Monate vor Studienbeginn im August erhielt ich dann Zusagen von zwei Stipendiengebern: dem DAAD und der Walter und Michael Oppenhoff Stiftung. Die Erleichterung war groß. Nach Monaten der Vorbereitung und Ungewissheit war der Weg endlich frei, die letzte Hürde genommen. Dem LL.M. stand nun nichts mehr im Weg.
Tipp: Auch bei ausgezeichneten Qualifikationen sollte nicht fest mit dem Erhalt eines Stipendiums gerechnet werden. Die Auswahlverfahren folgen teils schwer nachvollziehbaren Kriterien und die Konkurrenz variiert je nach Durchgang erheblich. Ein belastbarer „Plan B“ sollte daher frühzeitig mitgedacht und vorbereitet werden.
Etwas leichter zugänglich als deutsche Stipendien sind die Tuition Waiver (Reduzierungen der Studiengebühren) der Law Schools. Sie können im Zweifel den Traum vom LL.M. retten. Besonders weniger nachgefragte Law Schools zeigen sich oft großzügig. Aber auch Spitzenuniversitäten sind mitunter verhandlungsbereit, wenn sie von einem Bewerberprofil überzeugt sind.
Meine Wunschuniversitäten unterbreiteten mir teils stark unterschiedliche finanzielle Angebote, die ich als Grundlage für Verhandlungen über die Studiengebühren nutzte. Am Ende konzentrierte sich die Auswahl auf zwei angesehene Law Schools in Manhattan.
Tipp: Es lohnt sich, Bewerbungen an mehreren Universitäten einzureichen, denn die Tuition Waiver fallen oft unerwartet aus. Zusagen verschiedener Law Schools können hilfreich sein, um über die Studiengebühren an der Wunsch-Law-School zu verhandeln.
Auswahl der Law School
Die 1831 gegründete NYU, im Vergleich zu anderen Spitzenuniversitäten der Ostküste eine junge Institution, gehörte von Beginn an zu meinen Favoriten. Wichtig war mir das außergewöhnlich breite Curriculum im Bereich des internationalen Rechts. Der Bereich umfasst nicht nur öffentliches internationales Recht wie das Völkerrecht, sondern auch wirtschaftsnahe Bereiche wie internationale Prozessführung, Schiedsverfahren, Ermittlungen und International Governance, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.
Die mir aus diesen Gründen bereits sehr sympathische Law School schien mich ebenfalls gewinnen zu wollen und unterbreitete mir ein attraktives finanzielles Angebot. Damit war die Entscheidung gefallen. Was mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst war: Die Lage der Law School im Herzen Manhattans. Ein weiterer wichtiger Faktor, mit dem die NYU punkten kann.

Das LL.M.-Programm an der NYU School of Law
Die NYU bietet eine Vielzahl an Spezialisierungsmöglichkeiten im Rahmen des LL.M.-Programms. Was auf den ersten Blick nach starrer Struktur klingen mag, erweist sich in der Praxis als ausgesprochen flexibel. Die Wahl einer Spezialisierung ist keineswegs verbindlich: Wer die entsprechenden Kurse nicht belegt, schließt das Studium schlicht mit einem General LL.M. ab. Umgekehrt steht auch jenen, die zunächst ohne fachliche Festlegung starten, noch während des Jahres der Weg zu einer Spezialisierung offen, sofern die Voraussetzungen erfüllt werden.
Weltweit bekannt ist die NYU insbesondere für ihre Programme in International Legal Studies und in International Taxation. Beide belegen laut Vergleichrankings Spitzenplätze. Doch auch jenseits dieser Schwerpunkte bietet das Curriculum eine beeindruckende akademische Tiefe und Breite. Beinahe einzigartig ist zudem die enge Verbindung der NYU zum Europäischen Recht über das Jean Monnet Center for International and Regional Economic Law & Justice. Renommierte europäische Wissenschaftler sind jedes Jahr über das Center zu Gast an der NYU. Einer unserer „Kommilitonen“ war etwa ein ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts und Vorsitzender des Zweiten Senats, der als Visiting Researcher vor Ort war. Erwähnenswert sind zudem die zahlreichen Fellowships, die gezielt Alumni fördern und deren Einstieg in internationale Organisationen begleiten.
Die Unterrichtsformate an der NYU sind vielfältig strukturiert. Es gibt Kurse, Seminare und Kolloquien, die teils auf intensive Beteiligung und Diskussion ausgelegt sind, sowie durch Simulationen, Clinics und Internships mit starkem Praxisbezug ergänzt werden. Der weit überwiegende Teil der Veranstaltungen ist dabei mit J.D.-Studierenden durchmischt, was den fachlichen und persönlichen Austausch zusätzlich bereichert.
Tipp: Für Clinics und Internships empfiehlt sich eine frühzeitige Bewerbung, denn die Plätze sind begehrt und begrenzt. Die Wahl der Lehrveranstaltungen erfolgt über ein sogenanntes Bidding-System. Besonders gefragte Kurse können dabei schnell ausgebucht sein. Dennoch lohnt es sich, in der ersten Woche einfach zur gewünschten Veranstaltung zu erscheinen, denn die Professoren verfügen über Ermessensspielräume und nehmen zusätzliche Studierende auf.
Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war die außergewöhnliche Internationalität des Programms. Studierende aus allen Teilen der Welt prägten das Jahr und machten es zu einer Erfahrung, die weit über den Hörsaal hinausreichte. Diese Vielfalt verlieh dem Studium einen eigenen Zauber, der sich in unzähligen Gesprächen, Perspektiven und Freundschaften spiegelte. Wer kosmopolitisch denkt und lebt, ist an der NYU zuhause.
Von der ersten bis zur letzten Woche sorgt die NYU mit einer Vielzahl an Social Events dafür, dass sich die über 400 internationalen LL.M.-Studierenden auch abseits des Hörsaals begegnen. Ein besonderes Highlight: die NYU-Cruise auf dem Hudson River. Die Law School chartert dafür exklusiv ein Schiff mit DJ an Bord, Bars und Buffet sowie Blick auf die Skyline. Veranstaltungen wie diese sorgen dafür, dass sich der große Jahrgang frühzeitig vernetzt und rasch ein Gemeinschaftsgefühl entsteht.

Auch über die Law School hinaus organisiert die Universität ein vielseitiges Rahmenprogramm: Ausflüge zu den Niagarafällen, kulinarische Streifzüge durch Chinatown und viele weitere Angebote. Es lohnt sich, offen für Neues zu sein. Gerade abseits des Curriculums im engeren Sinne warten wertvolle Begegnungen, sei es bei Sportarten, Yogakursen, Kunst-Workshops oder spirituellen Gruppen. Nicht zu vergessen sind die vergünstigten Broadway-Tickets für NYU-Studierende. Ich habe während meines LL.M. ein gutes Dutzend Vorstellungen besucht. Jede einzelne war ein eigener Abend voller Unterhaltung.
Tipp: Es ist nahezu unmöglich, den Überblick über das vielfältige Angebot der NYU zu behalten. Um das Beste aus dem Jahr herauszuholen, empfiehlt es sich, frühzeitig einen Google-Kalender mit dem NYU-Account anzulegen. Viele Veranstaltungen und auch Vorlesungen lassen sich mit einem Klick aus dem offiziellen NYU-Kalender übertragen.
Leben in Greenwich Village – Am Puls der Zeit
Wer in den USA studieren möchte, um einen klassischen College-Campus mit historischen Gebäuden und gepflegten Grünanlagen zu erleben, wird an der NYU nicht fündig. Der Campus der NYU ist nahtlos in Greenwich Village in Manhattan integriert. Die Gebäude sind oft nur an der NYU-Beflaggung zu erkennen. Trotzdem entsteht durch die Lage rund um den Washington Square Park ein gewisses Campusgefühl.

Für LL.M.- und J.D.-Studierende bietet die NYU zwei Wohnheime an: D’Agostino Hall und Hayden Hall. Die Gemüter streiten sich darüber, welches davon das bessere sei, doch ich belasse es hier diplomatisch bei den Gemeinsamkeiten.
Zur Auswahl stehen drei Wohnungstypen: Die günstigsten sind Drei-Zimmer-Wohngemeinschaften mit gemeinsamer Küche und Bad, gefolgt von Zweier- und Einzelapartments. Wer möchte, kann frühzeitig über eine Plattform Mitbewohnerwünsche äußern oder es dem Zufall überlassen. Beides hat seinen Reiz. Besonders beliebt sind die Dachterrassen. Hier treffen sich Studierende zum Essen, Trinken und um gemeinsam den Blick über Manhattan schweifen zu lassen. Mit Einbruch der kälteren Monate verlagerte sich die Zusammenkünfte ganz selbstverständlich in die Gemeinschaftsräume im Untergeschoss. Abgerundet wird das Wohnangebot durch drei Fitnessstudios, von denen das neuste in einem hochmodernen Neubau untergebracht ist, mit Pool, Basketballplätzen, Squashcourts und einer Indoor-Rennbahn. All das mitten in Manhattan und selbstverständlich frei zugänglich.

Tipp: Wählt ein Zimmer in den oberen Etagen. Der Blick über Manhattan kann, je nach Himmelsrichtung, atemberaubend sein. Ich selbst schaute frei auf den Financial District, besonders bei Dunkelheit ein einmaliger Anblick. Und: Der Straßenlärm verliert mit jedem Stockwerk an Kraft. Auf dem NYU-Wohnportal lassen sich vorab die Floorplans einsehen.

Mein Zimmer maß etwa zehn Quadratmeter. Das mag wenig klingen, aber ich habe keinen Zentimeter vermisst. Zum Leben war New York da. Das Zimmer war zum Schlafen völlig ausreichend. Gleich unten auf der Straße, mitten in Greenwich Village, spielt sich das Leben ab, und zwar Tag und Nacht, sieben Tage die Woche. Und das ist wörtlich gemeint. Es ist eines der lebendigsten Ausgehviertel der westlichen Hemisphäre. Es sind junge, lebensfreudige Menschen, die durch die Straßen strömen. Nachtschwärmer aus allen Teilen der Welt. Und das hat seinen Grund: Das Viertel bietet eine nahezu unerschöpfliche Vielfalt. Es gibt Bars, Cafés, Restaurants, Live-Musik, Jazzclubs und Comedy Cellars. Jedes Angebot ist anders, kaum eines ist dem anderen gleich.
Auch die angrenzenden Viertel, West Village, NoHo, East Village, zählen zu den beliebtesten in ganz New York. Wer hier wohnt, lebt mitten in einem pulsierenden Kosmos. Direkt am Washington Square Park beginnt die legendäre Fifth Avenue, die sich von dort aus Richtung Uptown zieht und wie ein Canyon durch Midtown schneidet.
Im Zentrum des Geschehens steht der Washington Square Park, um den herum sich die NYU befindet. Die Bars in der Umgebung sind Abend für Abend voller Studierender. In vielen Lokalen gibt es Livemusik, etwa im legendären Café Wha?, wo bereits in den 1960er Jahren Künstler wie Bob Dylan und Jimi Hendrix auftraten und entdeckt wurden. Es wird getanzt, gelacht und gefeiert. Viele Bars bieten unter der Woche Happy Hours an, um dem studentischen Budget entgegenzukommen. In der Umgebung laden zahlreiche städtische Outdoor-Sportplätze zu Basketball, Tennis oder Fußball ein. Es herrscht ein offenes, lebendiges Miteinander.

Mittendrin liegt die U-Bahn-Station West 4th Street: Ein Knotenpunkt, der die Law School mit sieben Linien an das New Yorker U-Bahn-Netz anschließt. Rund um den NYU-Campus verteilen sich zwei weitere Stationen, jede davon mit mehreren Linien in alle Richtungen und Ecken. Die Energie, Dichte an Leben und Gegenwart in Greenwich sind einmalig. Zugegeben, zuweilen fühlte es sich an wie ein Traum, mittendrin zu leben.

Fazit
Die NYU ist der richtige Ort für Kosmopoliten, Extrovertierte und Entdecker, die Manhattan zu ihrem Campus machen möchten und bereit sind, die Grenzen zwischen Universität und Stadt verschwimmen zu lassen.
Der Begriff Wonder City etablierte sich in der frühen bis mittleren ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. An Größe, Vielfalt und urbaner Dynamik hat New York seither nur gewonnen. Einen LL.M. in der Wonder City zu verbringen, war in jeder Hinsicht ein wonder year.
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