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Fours Up!

Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der University of California, Los Angeles School of Law (2024/2025)

Veröffentlicht am 28.9.2025

Luisa Sofie Schroven, LL.M. (UCLA)

Law Clerk bei Tomorrow Law – Bibiyan Law Group in Los Angeles

Der LL.M. war für mich eigentlich schon immer ein geplanter Bestandteil meiner juristischen Ausbildung. Das Programm ist neben Auslandssemestern und der Wahlstation ein großartiger Weg, zu dem stark national geprägten deutschen Studium ein wenig Rechtsvergleich und Auslandserfahrung einzubringen. Ich würde es jedem empfehlen!

Inhalt

Die überwältigende Auswahl an LL.M.-Programmen

Anfangs war ich von der Vielzahl potenzieller LL.M.-Universitäten in den USA regelrecht überwältigt. Ich habe versucht, durch eine Mischung von Präferenzen wie Campus-Uni, Größe der Stadt und Ranking die Auswahl zu minimieren und mich vor allem am LL.M. Guide orientiert. Zusätzlich habe ich mich beim e-fellows LL.M. Day mit einigen Schulen unterhalten, um ein besseres Gefühl und eine Vorstellung von den Universitäten zu bekommen. Mit etwas Geduld findet man schließlich Schritt für Schritt seine Favoriten.

Für das Bewerbungsverfahren gilt eigentlich nur: Ausdauer und Geduld. Es braucht eine Weile, um das LSAC-System richtig zu verstehen. Gerade am Anfang wirkt vieles kompliziert und teilweise unübersichtlich, aber mit der Zeit erschließt sich der Ablauf. Ich habe mich nur mit meiner bestandenen Universitätsprüfung beworben und dann meinen staatlichen Teil nach Bestehen nachgereicht. Für die Universitäten, bei denen ich mich beworben habe (Cornell University, Northwestern Pritzker, University of Washington, UC Berkeley und UCLA), war das kein Problem und es war schön, nicht ewig nach meinem Examen auf einen LL.M.-Platz warten zu müssen.

Eine Universitätswahl, die zu Beginn kein Favorit war

Am Ende habe ich mich für die UCLA entschieden, obwohl diese Uni weder während meiner Recherche noch während des e-fellows LL.M. Days auf meiner Favoritenliste stand. Meine Bewerbung habe ich nur eingereicht, weil die UCLA keine zusätzlichen Bewerbungskosten verlangte, ich den Namen kannte und meine Unterlagen ohnehin fertig waren.

Allerdings hat sich die UCLA nach meiner Zusage wirklich hervorragend um die zugelassenen Studierenden gekümmert. Die Universität organisierte Dinner in Frankfurt, Berlin und München, bei denen man potenzielle Mitstudierende, Alumni und Fakultätsangehörige kennenlernen konnte. Ich würde die Teilnahme jedem empfehlen. Es war sehr hilfreich, Fragen persönlich stellen zu können und die Eindrücke von Alumni zu hören. Da auch andere zugelassene Studierende anwesend waren, konnte man sich bereits ein viel besseres Bild vom zukünftigen Leben und seinen Komilitonen machen. Die UCLA veranstaltet diese Dinner weltweit, und wir hatten in Europa das Glück, dass Vic Telesino, der Senior Director of Graduate Admissions, teilgenommen hat. An dieser Stelle möchte ich ihm ein großes Lob aussprechen: Er hat sich von Anfang an in kürzester Zeit um sämtliche Anliegen gekümmert. Ob vor, während oder sogar noch nach dem LL.M., jede noch so kleine Frage, sei sie privater, administrativer oder akademischer Natur, wurde ausführlich und schnell beantwortet. So eine gute Betreuung habe ich selten erlebt und sie war ein entscheidender Grund für meine Wahl der UCLA.

Am Ende standen vier Universitäten zur Auswahl und ich habe mich für die UCLA entschieden. Ausschlaggebend waren die gute Betreuung, die Lage in einer Großstadt, der Campus-Charakter der Universität, das Wetter, das Ranking und das Stipendium. Außerdem hatte ich bislang wenig Zeit an der West Coast verbracht und wollte für meinen LL.M. einen Standort wählen, an den ich so schnell nicht noch einmal komme und der gleichzeitig interessante Ziele in der Nähe bietet (San Francisco, Las Vegas, Hawaii.) Die endgültige Entscheidung ist wirklich sehr individuell und war für mich letztlich eine Bauchentscheidung. Es gibt keine richtige oder falsche Wahl, entscheidend ist, was man letztlich daraus macht.

Ausblick vom Hollywood Sign aus
Ausblick vom Hollywood Sign aus

Die Finanzierung

Bezüglich der Finanzierung hat mich das Dean’s Tuition Fellowship der UCLA sehr entlastet. Fast alle Deutschen, mit denen ich gesprochen habe, haben diese Unterstützung erhalten, und ich konnte mich mit einem konkurrierenden Angebot einer anderen Uni sogar durch eine kurze, höfliche E-Mail auf den Höchstbetrag des Fellowships hochverhandeln. Das klingt vielleicht erstmal seltsam, aber man muss lernen, den sehr unflexiblen Ansatz deutscher Universitäten abzulegen. Die amerikanischen Universitäten verstehen sich mehr wie Unternehmen, die sich mit erfolgreichen internationalen Studierenden profilieren möchten. Wenn man dort höflich und offen verhandelt, kann man tatsächlich noch eine gute Vergünstigung erreichen. Für mich haben das DAAD-Stipendium und das Fulbright-Stipendium leider nicht geklappt, sodass ich den Rest selbst stemmen musste.

General LL.M. und Kurswahl

Bezüglich des Programms war ich eine der wenigen, die sich nicht für eine Spezialisierung, sondern für den General LL.M. entschieden haben. Das mag anfangs kontraintuitiv erscheinen, gerade weil viele an der Law School einen erheblichen Druck machen, sich zu spezialisieren. Wenn man jedoch aus dem deutschen sehr stark vorausgeplanten System kommt, sollte man die Gelegenheit nutzen, einmal völlig frei in seiner Kurswahl zu sein, eine Möglichkeit, die insbesondere der General LL.M. bietet.

Ich habe unter anderem New-York-Bar-Kurse belegt (Evidence, Constitutional Law, Contracts und Professional Responsibility), da diese den typischen juristischen Kernfächern entsprechen und mir gleichzeitig die Möglichkeit eröffnen, später die Bar-Prüfung in New York abzulegen. Im Vergleich dazu benötigt man zum Ablegen des California Bars lediglich den Kurs Professional Responsibility. Die Option, die New-York-Bar-Kurse zu belegen, erschien mir anfangs besonders ansprechend, da ich den Eindruck hatte, dass das New York Bar im Vergleich zum California Bar durch die Nähe zu Europa später nützlicher für mich sein könnte und ich mir eher vorstellen konnte, noch einmal an die East Coast zurückzukommen. Tatsächlich überlege ich derzeit noch, das California Bar nachzuholen, dazu später mehr. Anfangs wollte ich mir einfach alle Optionen offenhalten. Mit meiner Kurswahl könnte ich nun beide Bar-Prüfungen ablegen.

Dazu habe ich einige „out-of-the-box“-Kurse gewählt (z. B. Psychedelics and the Law, AI & Entertainment Law), die man in Deutschland so nicht finden würde, und zusätzlich eine Arbeitsrechts-Clinic belegt. Diese fiel unter die sogenannten experiential courses. Eine solche Clinic kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Ich habe beispielsweise mit einer Gewerkschaft an einem Sexual-Harassment-Fall gearbeitet. Daneben gibt es auch Angebote, bei denen man High-School-Unterricht gibt, echte Scheidungsfälle rechtlich begleitet oder im Rahmen der Human Rights Clinic sogar nach Südamerika reist. Das sind wirklich großartige Möglichkeiten, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Der Campus und das Law-School-Leben der UCLA

Der Campus der UCLA ist ein wahrer Traum. Er hat eine angenehme, gut überschaubare Größe, die sich wunderbar zu Fuß erkunden lässt, und bietet alles, was man sich wünschen kann: Food Courts, Fitnessstudio, beeindruckende Architektur und viele grüne Flächen. Zudem hält die Universität ein breites Freizeitprogramm bereit, bei dem man sich in jedem Quarter in den unterschiedlichsten Sportarten ausprobieren kann. Ich habe zum Beispiel Tenniskurse belegt und an Salsa-Kursen teilgenommen. Andere Freunde haben sich für Boxen, Spinning oder Rudern entschieden.

Die Law School befindet sich in einem eigenen, klar abgegrenzten Bereich des Campus. Das zentrale Leben dort spielt sich im Courtyard ab, der von zahlreichen Eingängen zu den Seminarräumen und der Bibliothek umgeben ist. Die Bibliothek bietet insbesondere im vierten Stock eine helle, freundliche Atmosphäre mit weitem Ausblick. Das wurde zu meinem Lieblingslernraum. Durch die eigenständige Lage der Law School bleibt der Kontakt zu anderen Graduate- oder Undergraduate-Studierenden eher begrenzt, ob man das als Vorteil oder Nachteil empfindet, hängt vom persönlichen Blickwinkel ab.

Law School Library
Law School Library

Besonders hervorzuheben sind die vielen kleinen Events der Law School, die einem den Alltag sehr abwechslungsreich gestalten: Zahlreiche Veranstaltungen wie eine Olympiade, eine Beer-Tasting Competition (LL.M. vs. 1L, 2L, 3L, Faculty – selbstverständlich hat der LL.M.-Jahrgang gewonnen), Gastvorträge, Panels und viele gesponserte Lunches sorgen für Abwechslung und Austausch. In Kombination mit dem kalifornischen Klima und der entspannten Campusatmosphäre entsteht ein rundum positives Studienumfeld.

Das Leben und die Unterkunft in LA

Los Angeles ist wirklich das, was man daraus macht. Entscheidet man sich für ein Auto und eine weiter entfernte Wohngegend, entdeckt man eine ganz andere Seite der Stadt als wenn man fußläufig ohne Auto am Campus bleibt. Anfangs habe ich die Größe der Stadt und die Unterschiede zwischen den einzelnen Wohnvierteln stark unterschätzt. Hinzu kommt der Verkehr: Ich habe noch nie eine Stadt gesehen, die so überfüllt mit Autos ist, da können 15 bis 20 Kilometer schon mal eine Stunde Fahrtzeit bedeuten.

Ich habe mich zunächst für das Cooperative Student Housing („Co-op“) in der Nähe des Campus entschieden. Das Prinzip ist einfach: Weniger Komfort, geteilte Zimmer und ca. 4 Stunden Mitarbeit pro Woche im Austausch für niedrige Miete und Verpflegung. Es gibt dreimal täglich Buffet-Mahlzeiten und wenn man sich für eine entspannte Schicht einträgt (ich habe zuerst in der Küche geholfen und später in der Social Crew Events organisiert) ist es wirklich ein guter Deal. Das Zimmer zu teilen ist nicht für jeden, aber man zahlt nur etwa ein Drittel der durchschnittlichen Miete und Verpflegungskosten. Einige meiner engsten Freunde aus dem LL.M. waren ebenfalls im Co-op, sodass es schnell zu einem richtigen Zuhause wurde.

Eingang des Co-ops
Eingang des Co-ops

Eine weitere Alternative ist das Graduate Student Housing. Freunde, die in Weyburn Terrace wohnten, waren gut angebunden (etwa 30 Minuten zu Fuß oder 10 Minuten kostenlos mit dem BruinBus zur Law School) und hatten ebenfalls sehr gute Erfahrungen. In Los Angeles eine Wohnung zu finden, insbesondere fußläufig zur Law School, ist nicht einfach, aber letztlich hat es jeder geschafft, etwas Passendes zu finden. Man sollte sich jedoch auf hohe Mietpreise einstellen (ab ca. 1.400 USD, durchschnittlich 2.000 USD).

Die öffentliche Verkehrsanbindung in LA ist sehr begrenzt. Ich habe mich gegen ein Auto entschieden und mich mit Bus, Uber und Fahrten von Freunden gut über Wasser gehalten. Dennoch bleibt man stark auf die Gegend rund um Westwood (Stadtteil rund um die UCLA) beschränkt. Es gibt so viele tolle und unterschiedliche Viertel in LA, die man mit dem Auto deutlich leichter erkunden kann. Langfristig ist ein Auto definitiv empfehlenswert, über die LL.M.-Zeit hinweg kann man jedoch auch ohne gut zurechtkommen.

Das Leben in LA ist zwar weder besonders günstig noch ausgesprochen studentenfreundlich, doch die Stadt hat unglaublich viel zu bieten: Abwechslungsreiche Unterhaltung, Natur in direkter Umgebung und eine beeindruckende kulinarische Vielfalt. Selbst nach über einem Jahr in LA ist meine To-do-Liste noch immer lang, ein klarer Vorteil einer so lebendigen Metropole. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten: Ramen in Japantown genießen, die neuesten Blockbuster in IMAX im AMC Theatre anschauen, im Ocean Park surfen, ein Baseballspiel im Dodger Stadium besuchen, einen Abend bei Dave & Buster’s in der Arcade-Halle verbringen, zum Manhattan Beach fahren oder in Venice an der Abbot Kinney brunchen. Und das sind nur einige Highlights auf der Westside; die Eastside von LA hat noch einmal ganz andere Facetten zu bieten.

Venice Beach
Venice Beach

Meine schönsten Ausflüge führten in Nationalparks wie Yosemite, Joshua Tree und Sequoia sowie in Küstenstädte wie Carmel-by-the-Sea und Santa Barbara. Kalifornien ist ein wunderschönes Fleckchen Erde. Meine größte Empfehlung: Raus aus Westwood und die Stadt sowie ihre Umgebung entdecken!

Yosemite
Yosemite
Joshua Tree
Joshua Tree
Bixby Bridge Nähe Carmel
Bixby Bridge Nähe Carmel

OPT: Ein Jahr Berufserfahrung nach dem Abschluss

Ich bin nach meinem LL.M. in Los Angeles geblieben. Viele Leute, mich eingeschlossen, wissen zu Beginn ihres LL.M.s nicht, dass man im Rahmen des Optional Practical Training (OPT) nach dem Abschluss für bis zu einem Jahr in den USA beruflich tätig sein kann. Mit dem Studentenvisum (F-1) und einer entsprechenden Arbeitserlaubnis (Employment Authorization Document) ist es möglich, praktische Erfahrungen im eigenen Fachgebiet zu sammeln, bevor man zurückkehrt oder ein weiteres Visum beantragt.

Anfangs war das gar nicht mein Plan, doch da ich mich für einen Referendarplatz mit langen Wartezeiten entschieden habe, nutze ich die Zeit nun hier, um diese Wartezeit zu überbrücken. Wieso in einer deutschen Kanzlei bleiben, in der man ohnehin immer arbeiten kann, wenn man die einmalige Gelegenheit hat, in den USA Arbeitserfahrung zu sammeln? Außerdem wird es nie wieder so einfach, Networking zu betreiben und Vorstellungsgespräche direkt aus den USA zu führen.

Es wurde viel Panik verbreitet, dass man als LL.M.-Student keinen Job bekommt, meine Erfahrung war jedoch eine andere. Zunächst muss man sich bewusst sein, dass Big-Law-Stellen eher unrealistisch sind, wenn man nicht gerade Kontakte aus Deutschland hat. Die großen Kanzleien bevorzugen verständlicherweise amerikanische J.D.-Studierende, die durch drei Jahre Studium mehr juristisches Verständnis und durch Summer Internships mehr Erfahrung haben.

Diese Einschränkung ermöglicht es jedoch, die andere Seite des juristischen Arbeitsmarkts kennenzulernen. Viele LL.M.s erhalten Jobs auf der Plaintiff-Seite (Klägerseite). Aufgrund höherer Urteile und gelockerter Regelungen für Erfolgshonorare ist die Klägerseite in den USA ein sehr lukratives Geschäft, und man kann dort gut bezahlt arbeiten.

Ich selbst habe eine Stelle als Law Clerk in einer Arbeitsrechtskanzlei gefunden und bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung. Es ist eine großartige Erfahrung, die das amerikanische Rechtssystem noch einmal auf ganz andere Weise vermittelt, als es die Uni kann, und eine einmalige Möglichkeit, relativ unkompliziert ein, wenn auch nur einjähriges, Arbeitsvisum zu erhalten. Ich überlege derzeit noch, das California Bar zu schreiben, da ich von meinem Arbeitgeber sehr motiviert werde und meine hier gesammelte Arbeitserfahrung gerne zusätzlich mit einem offiziellen Zertifikat nachweisen möchte. Allerdings ist dies wieder mit Lernaufwand (ca. 10 Wochen) und erheblichen Kosten verbunden (rund 2.000 USD Prüfungsgebühren, mindestens 1.500 USD für Bar-Prep-Materialien sowie etwa zwei Monate Miete und Unterhalt während der Lernpause). Eine endgültige Entscheidung habe ich bislang noch nicht getroffen.

California Straßen
California Straßen

Fazit

Egal, wofür ihr euch entscheidet, ihr werdet eine tolle Zeit haben. Die Erfahrung, Kurse in einer anderen Sprache, in einem neuen Land und gemeinsam mit internationalen Studierenden aus aller Welt zu belegen, ist wirklich unvergesslich und bereichert nicht nur fachlich, sondern auch persönlich enorm. Man lernt nicht nur ein neues Rechtssystem kennen, sondern wächst auch durch den kulturellen Austausch und durch die vielfältigen Perspektiven der anderen LL.M.-Studierenden. Bei weiteren Fragen meldet euch gerne bei mir, besonders zu OPT, auch außerhalb der UCLA.

Und noch ein Gedanke: Sobald man hier Fuß im Arbeitsmarkt gefasst hat, merkt man schnell, wie spannend und reizvoll die Vorstellung ist, längerfristig in den USA als Anwalt tätig zu sein. Besonders faszinierend ist es, in einem Rechtssystem arbeiten zu können, das man sonst nur aus TV und Filmen kennt – wer würde nicht gerne einmal selbst „Objection, Your Honor“ rufen oder die Jury mit auswählen?

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