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Hook'em Horns!

Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium an der University of Texas at Austin School of Law (2025/2026)

Veröffentlicht am 14.6.2026

Eric Kruchen, LL.M. (Austin)

Rechtsreferendar am Landgericht Mönchengladbach

Die Entscheidung für einen LL.M. in den USA stand für mich bereits früh fest. Ich interessiere mich seit vielen Jahren für die Vereinigten Staaten und wollte die Gelegenheit nutzen, das amerikanische Rechtssystem näher kennenzulernen.

Ursprünglich hatte ich geplant, den LL.M. erst nach dem Zweiten Staatsexamen zu absolvieren. Da zwischen meiner Ersten Juristischen Prüfung und dem Beginn des Referendariats jedoch ein längerer Zeitraum lag, entschied ich mich dazu, das Vorhaben vorzuziehen.

Inhalt

Bewerbung und Finanzierung

Die Bewerbung für das LL.M.-Programm der University of Texas erfolgte über das zentrale Bewerbungsportal LSAC. Das Verfahren ist aus meiner Sicht etwas umständlich, da die Plattform primär auf Bewerbungen amerikanischer J.D.-Studierender zugeschnitten ist. Mit etwas Einarbeitung lässt sich der Prozess jedoch gut bewältigen.

Empfehlen würde ich, frühzeitig mit der Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen zu beginnen, insbesondere da die Einholung von Empfehlungsschreiben erfahrungsgemäß einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Auch das Motivationsschreiben sollte nicht lediglich aus allgemeinen Floskeln bestehen, sondern vielmehr daraus, welchen Mehrwert man selbst für das Programm mitbringt und weshalb gerade die University of Texas die passende Wahl für die eigenen akademischen und beruflichen Ziele ist.

Positiv hervorzuheben ist die Flexibilität der Law School während des Bewerbungsprozesses. In meinem Fall konnten einzelne Dokumente außerhalb von LSAC nachgereicht werden, da diese zum Bewerbungszeitpunkt noch nicht vorlagen.

Sollte eine positive Rückmeldung auf die Bewerbung erfolgen, muss man im weiteren Verlauf zunächst ein automatisiertes Videointerview absolvieren, bei dem einige Fragen innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters beantwortet werden müssen. Anschließend wird man bei erfolgreichem Verlauf einige Wochen später noch zu einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter des Programms eingeladen, das vor allem dem persönlichen Kennenlernen dient.

Die Finanzierung des LL.M.-Studiums erfolgte bei mir überwiegend aus eigenen Mitteln. Externe Stipendienprogramme hatte ich aufgrund verpasster Bewerbungsfristen nicht mehr berücksichtigt. Dementsprechend sollte man sich auch hierüber frühzeitig informieren. Hinsichtlich universitärer Fördermöglichkeiten ist erwähnenswert, dass mit der Zulassung zum Programm der Bewerber für das „Texas Resident Fee Scholarship“ automatisch, ohne separate Bewerbung, in der Auswahl berücksichtigt wird. Eine Garantie auf diese Förderung besteht allerdings nicht. Daneben existieren weitere Stipendienprogramme der Universität, auf welche man sich bewerben kann.

UT Main Campus
UT Main Campus

Das LL.M.-Programm an der University of Texas School of Law

Die Entscheidung für die University of Texas fiel aus mehreren Gründen. Erstmals aufmerksam geworden bin ich auf das Programm im Rahmen einer LL.M.-Messe, wo ich mich mit Dean Fielder austauschen konnte. Schon das Gespräch hat mir ein gutes Gefühl bezüglich des Programms in Austin vermittelt. Neben der exzellenten Reputation überzeugte mich insbesondere die große fachliche Bandbreite des Kursangebots in der „Business Law Concentration“. Dort ist eine Auswahl aus einer Vielzahl von Kursen möglich, sodass man den Semesterplan entsprechend der eigenen Interessen bestens zusammensetzen kann. Hinzu kam, dass die University of Texas im Vergleich zu vielen anderen Top-Law-Schools finanziell noch vergleichsweise attraktiv ist. Zudem umfasst das LL.M.-Programm jährlich rund 25 internationale Studierende aus unterschiedlichsten Ländern. Dadurch entsteht schnell ein internationales Netzwerk, während gleichzeitig eine enge persönliche Betreuung durch das International Office gewährleistet ist. Nicht zuletzt reizte mich Texas als Bundesstaat persönlich deutlich mehr als die oftmals gewählten Standorte.

Bereits während der Einführungswoche werden sämtliche organisatorischen Fragen ausführlich behandelt. Empfehlenswert ist es, sich bereits vor der Anreise Gedanken über die Kurswahl für beide Semester zu machen. Der geplante Semesterplan wird anschließend gemeinsam mit dem International Office überprüft, sodass man frühzeitig Klarheit darüber erhält, ob alle Programmvorgaben erfüllt werden.

Anders als im deutschen Jurastudium spielt die aktive Mitarbeit in vielen Kursen eine wichtige Rolle. Die Veranstaltungen sind deutlich diskussionsorientierter und leben vom Austausch zwischen Professoren und Studierenden. Besonders empfehlen kann ich die Kurse Negotiation bei Professor Jury sowie Mediation bei Professor Avery. Beide Veranstaltungen sind sehr praxisnah ausgestaltet und vermitteln Fähigkeiten, die im deutschen Jurastudium häufig zu kurz kommen. Im Übrigen kann ich Constitutional Law for Foreign Lawyers bei Professor Perry empfehlen, der nicht nur fundiertes Wissen über das US-amerikanische Verfassungsrecht vermittelt, sondern es auch versteht, seine Studierenden für das Fach zu begeistern.

Eingang zur Tarlton Law Library
Eingang zur Tarlton Law Library

Die Law School selbst liegt etwas abseits des eigentlichen Hauptcampus, der jedoch in etwa zehn Gehminuten erreichbar ist. Dies habe ich eher als Vorteil empfunden, da man vom Trubel des Hauptcampus weitgehend abgeschirmt ist und eine angenehm ruhige Lernatmosphäre vorfindet. Einen Großteil meiner Zeit verbrachte ich in der Tarlton Law Library, die ausgezeichnete Lernbedingungen bietet. Daneben lädt insbesondere der zentrale Courtyard dazu ein, zwischen den Vorlesungen mit Kommilitoninnen und Kommilitonen ins Gespräch zu kommen oder eine kurze Pause zu machen. Wie in den USA üblich, läuft die Klimaanlage nahezu durchgehend auf Hochtouren, sodass selbst im texanischen Hochsommer ein Pullover in der Law School oft nicht verkehrt war.

Außeneingang zur UT Law School
Außeneingang zur UT Law School

Im Studienalltag finden regelmäßig Lunch Talks, Panels und Networking-Veranstaltungen statt. Besonders hervorzuheben ist die von der Student Bar Association organisierte „Bar Review“, die jeden Donnerstagabend in wechselnden Bars stattfindet und eine gute Gelegenheit bietet, Kontakte zu den J.D.-Studierenden zu knüpfen.

Leben in Austin, Texas

Um die Wohnsituation sollte man sich möglichst frühzeitig kümmern. Neben universitätseigenen Wohnanlagen, welche im Rahmen eines Bewerbungs- und Vergabeverfahrens zugeteilt werden, existieren auch weitere Unterkünfte in Campusnähe.

Der öffentliche Nahverkehr wird insbesondere durch Busse abgedeckt. Da mein Fußweg zur Law School lediglich etwa 20 Minuten betrug, habe ich diesen jedoch nur selten genutzt. Die Lebenshaltungskosten empfand ich insgesamt als durchaus vergleichbar mit denen größerer deutscher Städte.

Besonders hervorzuheben sind die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten in und um Austin. Im Fall-Semester stehen die Football-Heimspiele der Texas Longhorns im Mittelpunkt des studentischen Lebens. Wer sich hierfür, und generell für Sport interessiert, sollte den Erwerb des „Big Ticket“ in Betracht ziehen, mit dem sämtliche Sportveranstaltungen der Longhorns besucht werden können. In diesem Zusammenhang wird einem auch der Ausdruck „Hook’em Horns“ schnell begegnen, der als inoffizielles Motto der Universität gilt und häufig in Verbindung mit dem „Horns Up“-Handzeichen verwendet wird.

Football Samstage im DKR Memorial, Heimat der Longhorns
Football Samstage im DKR Memorial, Heimat der Longhorns

Austin selbst bietet eine hohe Lebensqualität, beispielsweise durch Kayak-Touren auf dem Colorado River, Joggingrunden entlang des Lady Bird Lake Trail, Schwimmen in Barton Springs oder entspannte Nachmittage im Zilker Park. Gleichzeitig verfügt die Stadt über eine lebendige Gastronomie- und Kulturszene mit unzähligen Bars, Restaurants und den für Texas typischen Honky-Tonks mit Live-Country-Musik.

Darüber hinaus finden nahezu jedes Wochenende größere Veranstaltungen statt, wie das Austin City Limits Festival, die Formel 1, NASCAR-Rennen, Spiele des Austin FC, Rodeos, Konzerte sowie zahlreiche Street-Food-Festivals. Auch die Lage Austins ist ein großer Vorteil: Das Texas Hill Country beginnt praktisch vor den Toren der Stadt und eignet sich hervorragend für Wochenendausflüge zum Wandern oder Entdecken. Ebenso sind Städte wie San Antonio, Dallas und Houston gut erreichbar.

Austin: Zilker Park
Austin: Zilker Park

Fazit

In Summe kann ich das LL.M.-Programm an der University of Texas School of Law vollumfänglich und wärmstens empfehlen. Neben einem exzellenten Kursangebot bietet die Universität optimale Rahmenbedingungen für ein gelungenes Studienjahr. Austin selbst hat mich mit seiner offenen Atmosphäre, den zahlreichen Freizeitmöglichkeiten und seiner besonderen Mischung aus Tradition und Moderne überzeugt. Wer insbesondere einen wirtschaftsrechtlich geprägten LL.M. in den USA absolvieren möchte, sollte die University of Texas daher unbedingt in die engere Auswahl einbeziehen. Hook’em Horns!

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