Share on xing
Share on linkedin
Share on facebook
Share on twitter
Share on email
Share on print

Was sind die Zulassungsvoraussetzungen für ein LL.M.-Studium und wie kann ich meine Bewerbungschancen erhöhen?

Zuletzt aktualisiert am 16.11.2021

Hier erfährst Du, was die Voraussetzungen für ein LL.M.-Studium an einer US-amerikanischen Law School sind und was Du tun kannst, um Deine Chancen auf eine Zusage bei Deiner Wunsch-Law-School zu erhöhen.

Inhalt

I. Was sind die Zulassungsvoraussetzungen für ein LL.M.-Studium?

Voraussetzung für ein LL.M.-Studium in den USA ist in den meisten Fällen ein abgeschlossenes (Jura-)Studium. Manche Law Schools fordern von den Bewerbern auch Berufserfahrung, wobei das Referendariat aber oftmals als berufliche Tätigkeit anerkannt wird. Darüber hinaus werden im Regelfall keine konkreten Aufnahmebedingungen oder Mindestanforderungen, etwa in Bezug auf die Examensnoten, genannt. Daher lassen sich die Chancen auf eine Annahme an einer bestimmten Universität nicht genau vorhersagen.

In Deutschland ausgebildete Juristen haben an den US-amerikanischen Law Schools im Allgemeinen einen sehr guten Ruf. Viele der Law Schools sind jedoch bemüht, international ausgewogene Jahrgänge zu schaffen und werden daher oftmals nur eine bestimmte Anzahl an Studenten aus Deutschland zulassen. Die eigenen Chancen hängen daher auch davon ab, wie viele gute andere (deutsche) Studenten sich mit einem zusammen bewerben.

Memorial Church, Harvard University
Memorial Church, Harvard University – Die Harvard Law School ist eine der renomiertesten Law Schools in den USA, entsprechend groß ist auch die Konkurrenz bei den Bewerbungen.

Ein Auswahlkriterium sind zunächst die Examensnoten. Für die Law Schools ist im Regelfall das 1. Examen maßgeblich, das Abschneiden im 2. Examen (sofern vorhanden) ist hingegen weniger relevant. Generell wird man sagen können, dass sich die meisten der deutschen Studenten an den T14-Law-Schools (Yale, Stanford, Harvard, Columbia, Chicago, NYU, Pennsylvania, Michigan, Virginia, Berkeley, Duke, Cornell, Northwestern, Georgetown) im oberen Notenbereich befinden werden.

Examensnoten sind aber nicht alles, sondern es zählt das Gesamtbild des jeweiligen Bewerbers. Das bedeutet zum einen, dass selbst mit einem „vollbefriedigenden“ oder sogar „guten“ Examen eine Aufnahme an einer T14-Law-School nicht gesichert ist. Auf der anderen Seite ist es auch ohne Prädikatsexamen möglich, an einer dieser Law Schools zugelassen zu werden, wenn man ein interessantes Profil vorzuweisen hat. Daher sollte man sich nicht allein aufgrund schwächerer Noten von einer Bewerbung an seiner Wunsch-Law-School abhalten lassen.

Für eine erste Einschätzung, wie Deine Chancen für eine Zulassung an einer bestimmten Law School stehen, kannst Du Dich auch gerne an uns wenden.

Tipp:

Auch wenn jede Bewerbung mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, solltest Du Dich nicht nur bei Deiner Wunsch-Law-School, sondern daneben auch noch bei weiteren Law Schools bewerben. Im Falle einer Absage Deiner Wunsch-Law-School hast Du so zumindest noch einen „Plan B“. Weiterhin können Zusagen und Stipendien anderen Law Schools im Rahmen der Verhandlung über eine mögliche finanzielle Förderung bei Deiner Wunsch-Law-School verwendet werden. Als sinnvoll hat sich die Bewerbung bei ca. 5 bis 10 Law Schools erwiesen, wobei mindestens eine Bewerbung dabei sein sollte, bei der die Zulassung relativ sicher ist (Safety School).

II. Was kann ich tun, um die Erfolgsaussichten meiner Bewerbung zu erhöhen?

Wer ein Studium zum „Master of Laws“ in den USA plant, kann schon frühzeitig, etwa während des Jurastudiums und Referendariats, seine Bewerbungschancen steigern. Im Folgenden haben wir einige Möglichkeiten zusammengetragen, mit denen man sich neben den Examensnoten von anderen Bewerbern abheben und für die Law Schools interessant machen kann.

Hinweis:

Diese Zusammenstellung basiert auf unseren eigenen Erfahrungen und auf Gesprächen mit erfolgreichen Absolventen sowie Programmverantwortlichen, ist jedoch nicht abschließend und möglicherweise auch nicht für jede Law School gleichermaßen zutreffend.

1. Studentenorganisationen und außercurriculare Aktivitäten

Für Studenten in den USA ist es gang und gäbe, sich in Studentenorganisationen zu engagieren sowie an außercurricularen Aktivitäten teilzunehmen.

Auch in Deutschland gibt es immer mehr studentische Organisationen (z.B. Fachschaften, European Law Students‘ Association (ELSA), Legal-Tech-Initiativen), an denen man sich beteiligen und damit sein über das reine Studium hinausgehende Interesse und Engagement unter Beweis stellen kann.

Die Mitarbeit bei einer Studentenzeitung kann ebenfalls ein Pluspunkt für eine Bewerbung an einer Law School sein. Anders als in Deutschland werden in den USA die meisten juristischen Fachzeitschriften (Law Journals, Law Reviews) nicht von einer Redaktion bei einem Fachverlag, sondern an den Law Schools von Studenten geführt. Insbesondere die Rolle des Chefredakteurs (Editor-in-Chief) ist äußerst begehrt und den besten Studenten des Jahrgangs vorbehalten. In Deutschland kann hingegen im Normalfall jeder interessierte Student an den Studentenzeitschriften mitarbeiten.

Positiv ist auch die Teilnahme an Wettbewerben (z.B. Moot Court, Gründungswettbewerb, Hackathon) oder an einer der von den Universitäten betriebenen Law Clinics, bei denen Studenten unter Anleitung von Professoren oder Anwälten sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen kostenlos rechtlich beraten.

2. Ehrenamtliches Engagement

Für die meisten US-Amerikaner ist es selbstverständlich, sich ehrenamtlich im politischen, sozialen oder kulturellen Bereich zu betätigen. Auch bei den Bewerbungen für ein LL.M.-Programm wird daher Wert auf ehrenamtliches Engagement gelegt. Dieses zeigt, dass der Bewerber bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und sich auch für andere einzusetzen. Man muss dazu kein Menschenrechtsaktivist sein, es reichen auch schon Tätigkeiten in der Lokalpolitik, bei gemeinnützigen Organisationen oder einer Kirche aus.

Hinweis:

Ehrenamtliches Engagement, die Beteiligung in Studentenorganisationen sowie außercurriculare Aktivitäten sollten nicht nur „für den Lebenslauf“, sondern immer auch aus eigener Überzeugung erfolgen. Dies gilt umso mehr im Rahmen einer Bewerbung um ein LL.M.-Studium, bei der es erforderlich ist, ein stimmiges Gesamtbild der eigenen Person zu präsentieren.

3. Auslandsaufenthalte

Auch ein bereits erfolgter Auslandsaufenthalt kann die Bewerbungschancen steigern. Dieser muss nicht zwingend in den USA oder einem englischsprachigen Land absolviert worden sein, auch ein Aufenthalt in einem anderen Land zeugt von Interesse und Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen und kann damit einen Pluspunkt bei der Bewerbung für ein LL.M.-Studium darstellen.

Eine ideale Vorbereitung auf ein Studium zum „Master of Laws“ stellen die Summer Schools der Law Schools dar. Dort erhält man erste Einblicke in das US-amerikanische Recht und kann auch bereits persönliche Kontakte zu Professoren und Mitarbeitern der Law Schools knüpfen, die für die spätere Bewerbung äußerst nützlich sein können.

4. Berufserfahrung

Viele Deutsche absolvieren das LL.M.-Studium direkt nach dem 1. oder 2. Examen, einige Teilnehmer haben jedoch auch bereits mehrjährige Berufserfahrung vorzuweisen. In manchen Fällen wird eine vorangegangene berufliche Tätigkeit auch ausdrücklich von den Law Schools gewünscht, wobei das Referendariat aber oftmals als Berufserfahrung anerkannt wird.

Will man sich direkt nach dem 1. Examen bewerben, kann es daher Sinn machen, schon während des Studiums ein Praktikum in einer Kanzlei, einem Unternehmen oder bei Gericht zu absolvieren, um zumindest erste Praxiserfahrungen sammeln zu können. Diese helfen einem auch dabei, das eher praxisorientierte LL.M.-Studium inhaltlich besser nutzen zu können.

William H. Neukom Building, Stanford Law School
William H. Neukom Building, Stanford Law School – Die Stanford Law School verlangt grundsätzlich mindestens zwei Jahre Berufserfahrung, wobei das Referendariat aber als berufliche Tätigkeit zählt.

5. Veröffentlichungen

Studenten in den USA veröffentlichen oftmals schon während des Studiums kleinere Aufsätze und Urteilsbesprechungen in den Law Journals der jeweiligen Law School.

Für eine Veröffentlichung ihn einer deutschen juristischen Fachzeitschrift wird oftmals zumindest der Abschluss des 1. Examens vorausgesetzt. Als Co-Autor zusammen mit einem Anwalt oder Professor kann man jedoch auch schon als Student eine erste Veröffentlichung erreichen. Daneben bietet sich auch die Publikation eines eigenen Beitrags in einer studentischen Zeitschrift an, etwa basierend auf einer Seminararbeit. Da in den USA die meisten juristischen Fachzeitschriften von den Law Schools herausgegeben werden, werden viele für die Auswahl der LL.M.-Bewerber zuständigen Personen dies genauso wie eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift werten.

6. Lehrtätigkeit, Vorträge und Tagungsorganisation

Auch eine eigene Lehrtätigkeit, etwa als Lehrstuhlmitarbeiter, Vorträge auf Tagungen oder die Organisation von Tagungen kann dabei helfen, sich positiv von anderen Bewerbern abzuheben.

7. Sportliche Leistungen

Sport hat in den USA einen sehr hohen Stellenwert. Hat man selbst besondere sportliche Erfolge vorzuweisen oder ist man als Trainer einer (Jugend-)Mannschaft aktiv, so kann sich dies ebenfalls positiv bei der Bewerbung auswirken.

8. Kontakte zu möglichen Empfehlungsgebern

Abschließend noch ein eher praktischer Hinweis: Für die Bewerbung bei den Law Schools (sowie für viele Stipendien) sind oftmals mehrere Empfehlungsschreiben, vorzugsweise von Professoren, erforderlich. Man sollte daher möglichst frühzeitig Kontakte zu Personen zu knüpfen, die als Aussteller eines solchen Empfehlungsschreibens in Betracht kommen können. Zu diesem Zweck eignet sich zunächst eine Tätigkeit an einem Lehrstuhl, man kann aber auch in den Vorlesungen durch Wortmeldungen oder kritische Fragen auf sich aufmerksam machen. Schließlich kann man Professoren, bei denen man ein Seminar oder eine mündliche Prüfung absolviert hat, im Nachgang ansprechen, ihnen von den LL.M.-Plänen berichten und nachfragen, ob man sich zu gegebener Zeit wegen eines Empfehlungsschreibens an sie wenden darf.